Mitten im Herzen des Yukons, des längsten und grössten Flusses Alaskas, bekannt für seine extremen Winterstürme, wo man selbst die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann und die Kälte das Thermometer mit Leichtigkeit auf minus 60 Grad Celsius fallen lassen kann. Genau dort sollte meine Reise beginnen. „Alaska - Jenseits der Grenzen - 10 Huskies und ich". Hunderte von Kilometern, ausgesetzt den Naturelementen der unberechenbaren Wildnis Alaskas. Abhängig von 10 Alaskan Huskies und diese wiederum von mir. Gemeinschaft und tiefste Freundschaft, die ich zuvor noch nie kennengelernt hatte.
Huskies in mystischen Nächten
Yukon-Innoko 200: Ein 200 Meilen (320 km) Hundeschlittenrennen. Entlang des mächtigen Yukons, durch dichte Wälder zum Innoko, einem Nebenfluss, und wiederum zurück durch offene Tundraflächen und Wälder zum Yukon. Nur 6 Teilnehmer mit mir. Alle anderen sind erfahrene Dogmusher (Hundeschlittenführer) - Athabasken Indianer, die in diesem wilden Land aufwuchsen und in und von ihm leben. Sie fangen den Königslachs, wenn er in unübersehbaren Mengen vom Meer in den Yukon zieht, und sie jagen die Elche und Bären im Herbst, bevor der Alaskawinter das Land einfriert und mit einer schweren Schneedecke bedeckt. Dann beginnt die Zeit der Huskies, und ihr Geheul verbindet sich mit dem der Wölfe, in den kalten, einsamen Nächten der Zeit der Dunkelheit, der mystischen Nächte, wo die Nordlichter den Himmel erleuchten.
Viele sind heutzutage auf das Schneemobil umgestiegen. Einige der Indianer aber halten den alten Geist am Leben. Sie lassen die Geschichte nicht sterben, als der Hundeschlitten in Alaska das einzige Transportmittel war. Stolz führen sie diese Tradition weiter. Genauso wie ich mit meinem Abenteuer sozusagen die Geschichte zu neuem Leben erwecke, indem ich der Vergangenheit Zukunft gebe. Ich wollte verstehen lernen, wie es war und wie es auch weiter sein wird in einem Land, wo der Mensch über die Natur keine Macht besitzt.
Am Puls der Natur
Nach diesem Yukonrennen erholten wir - die Hunde und ich - uns von den Strapazen und der Geschwindigkeit eines Hundeschlittenrennens. Wir reisten den Yukon entlang, dann weiter über Land, durch Wälder, dichtes Gebüsch, offene Flächen, Seen und Wasserläufe und durch die Berge mit den engen Tälern zum Kuskokwim, dem zweitgrößten Fluss Alaskas, der im Land der Eskimos fließt. Wir folgten ihm bis nahe zu seinem Delta, wo selbst der Horizont durch die Flachheit dieses Gebietes zum Greifen nahe scheint. Dann ging es zurück nach Bethel, dem Zentrum der Yupik Eskimos, meinem Ausgangspunkt - um den Kreis zu schließen. Die einzigen Versorgungsmöglichkeiten auf dieser Reise waren kleine Dörfer in Abständen von 70 - 100 km. Dazwischen nichts, nur unendliche Weite und Wildnis, und diese beiden Flüsse, meine Straßen des Abenteuers, versehen mit einer dicken Eisdecke. Dies aber nicht überall, größere Flächen sind offen geblieben, manche Stellen gerade mit einer dünnen Schicht Eis überzogen, daher schwer zu erkennen, und natürlich viel zu schwach, um ein Hundeteam mit Musher zu tragen. Schon vier Personen starben in diesem Winter, waren eingebrochen und wurden nicht mehr gefunden. Der Fluss hatte sie verschluckt.
Das Wichtigste war Hundefutter
Selbst bei tiefen Minustemperaturen schlief ich im Freien. Das Zelt hatte im Schlitten keinen Platz gefunden, denn viel bedeutender war das Hundefutter. Der wichtigste Punkt in meiner Planung war die Behandlung der Hunde, sie sind der „Motor" dieses Abenteuers, und ohne Brennstoff läuft selbst der beste Motor nicht. Zwei Winter Planung und Lernen in Alaska, noch nie zuvor hatte ich mit dieser Art von Transport zu tun gehabt. Ich wusste gerade soviel, dass Huskies gleich wie andere Hunde bellen. Aber nicht nur ich musste lernen, sondern auch die Hunde. Vom faulen Hundedasein im Sommer, wo sich alles auf Schlafen, Faulenzen und Fressen konzentriert, musste besonders ihr Körper trainiert werden, um täglich 70 - 80 km laufen und einen Schlitten samt Musher (200 - 300 kg Gesamtgewicht) ziehen zu können.
Einheit von Körper und Seele
In der Vorbereitung waren wir an die 2000 Kilometer durch die Unberührtheit des Kuskokwim Deltas gereist. Um gemeinsam zu lernen, und unsere Körper vorzubereiten. Ausdauer, Zähigkeit, und Kälteresistenz sind wichtig. Außerdem wollte ich auch vorher schon Gefühle erfahren, die ich bisher nur aus meinen Träumen kannte. Den Traum, mit jeder Faser meines Körpers und jedem Teil meines Herzens das Gefühl der vollsten Zufriedenheit erlangt zu haben: Die Einheit von Körper und Seele.
Wir haben es geschafft. Wir reisten am Yukon und am Kuskokwim, sahen Elche und die Spuren von Wölfen, erlebten Stürme und extreme Kälte. Wir sahen das Spiel der Nordlichter, das uns bei einer nächtlichen Fahrt begleitete und nicht nur die Nacht erhellte, sondern auch unsere Herzen. Wir lernten aber auch die Kulturen der Indianer und Eskimos kennen, und ihre großartige Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erfahren. Wir genossen die Einsamkeit in den Wäldern, aber auch den Triumph, als Erste bei einem 200 Meilen Hundeschlittenrennen über die Ziellinie zu fahren. Wir lernten Angst und Ungewissheit kennen und erlebten die Freude des nächsten aufbrechenden Morgens. So wurden wir zur Einheit, ich ein Teil von ihnen, sie ein Teil von mir.
Meine Gefährten
Pook, Du altes, großes Baby, immer zum Spielen aufgelegt, selbst nach 100 km. Ich konnte mich immer auf Dich verlassen, Du führtest das Team. Genauso Du, Blazer: Du schläfst gerne lang und brauchst ein wenig, um auf Touren zu kommen. Shadow: schwarz wie die Nacht, die schnellste im Team. Rudy, erst 1 1/2 Jahre alt und schon ein Star. Er begrüßt mich immer mit tiefem Grollen und strahlenden Augen. Monkey, Du kleines Mädchen, liebst es, neben mir zu sitzen und Dich an mich zu lehnen. Lady, es gibt keinen besseren Namen für Dich. Bogus, Du altes Mädchen, schwarz, nur die Schwanzspitze ist weiß. Essen und Schlafen, was gibt es Schöneres für Dich? Chief, der mit seinem Aussehen ein wenig aus der Reihe tanzt: Groß, lange Beine, kurze Haare und immer mager, auch wenn er am meisten Futter bekommt. Lucky, auch die Robe genannt, wegen seiner großen, runden Augen. Hubi, der so richtig wie ein Husky aussieht, nur braune, statt blaue Augen hat, und Butsch, sein Bruder, so verrückt und stark, dass ich ihn erst am Ende an die Leine hängen kann. Jedesmal befürchte ich, er zerreißt das Seil. Und schließlich Nathan, oder besser Herkules, denn er stellt sogar Butsch in den Schatten. Von einem Huskyaussehen hat er wenig, sondern erinnert eher an einen Deutschen Schäferhund. Außer Ziehen und Laufen sind seine Lieblingsbeschäftigungen Mädchen und Raufen.
Im nächsten WUFF nimmt der Autor Sie mit auf einen normalen Trainingstag.