"Anthroposophische Tiermedizin" - seelische Medizin für den Hund

Die Frage nach dem Charakteristischen der anthroposophischen Tiermedizin kann am besten mit der „wesensgemäßen Betrachtung des Tieres“ beantwortet werden. Aber was genau ist eigentlich das Wesen des Tieres bzw. des Hundes im Besonderen und der Blick der anthroposophischen Tiermedizin aufs Tier im Allgemeinen?
Ein Versuch in den Einstieg in eine etwas andere Richtung der Veterinärmedizin.

Wesentliche Unterscheidungs­merkmale zur ­„Schulmedizin“
Die Betrachtungsweise des Tieres in der ­anthroposophischen Medizin unterscheidet sich grundlegend von anderen medizinischen Fachrichtungen. Steht in der konventionellen, westlichen „Schulmedizin“, sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin, das physisch und physiologisch ­Körperliche im Vordergrund, so kann man beispielsweise in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) einen Fokus auf die Lebenskräfte (in der anthroposophischen Medizin „Ätherleib/Lebensleib“ genannt) beobachten: bei der Akupunktur wird über die oberflächliche Punktierung entlang sogenannter Meridiane (Energiebahnen des Körpers) auf den Lebensleib eingewirkt und damit eine Förderung der Wiederherstellung des gesunden Gleichgewichts erreicht.

Die anthroposophische Medizin kennt in der Human­medizin eine Viergliederung und in der Veterinärmedizin eine Dreigliederung (siehe Abb. auf dieser Seite). Durch diese Be­sonderheit ist es möglich, das Tier umfassend und ­tatsächlich...

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Autor dieses Artikels:

Alexandra Neubauer

Alexandra Neubauer ist im ländlichen Raum aufgewachsen und daher bereits seit ihrer Kindheit mit der (meist konventionellen) Haltung von Tieren konfrontiert und dadurch zum Nachdenken angeregt. Seit langem beschäftigt sie sich insbesondere mit der Haltung und dem Verhalten von Hunden. Die Anthroposophie hat vor etwa 10 Jahren Einzug in ihr Leben gefunden. So besucht sie laufend Seminare und Vor­träge im In- und Ausland. Beruflich ist sie nach dem Verkauf ihrer Werbeagentur als selbständige  Internetkonzeptionistin/-beraterin im Raum Wien tätig.

Kontakt: office@alexandra-neubauer.com

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Hintergrund

Dr. Rudolf Steiner
Alexandra Neubauer über den Begründer der Anthroposophie.

Dr. Rudolf Steiner (1861-1925), zunächst als Goetheforscher, ­Philosoph, Schriftsteller und Literatur­kritiker in Fachkreisen geschätzt, später als Begründer der Anthroposophie, ­Schulgründer, Künstler und Sozialreformer weltweit bekannt geworden, hat – zumeist quer zu den Denkgewohnheiten seiner Zeit – immer wieder Bestehendes auf den Kopf und Zukünftiges auf die Beine gestellt. Mit äußerster Intensität arbeitete er im Zeitalter des Materialismus für eine neue Weltanschauung, in welcher der Zusammenhang von Mensch, Natur und Kosmos wieder in den Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt wird.

Anthroposophie – wörtlich aus dem Griechischen: „Weisheit vom Menschen“ – versteht sich als ­spirituell orientierter Erkenntnisweg, als Anregung zur Entwicklung des Einzelnen und zur Neugestaltung von Lebens- und Kulturprozessen, jedoch nicht als Lehre oder Religion. Die anthroposophische Geisteswissenschaft ist bis heute in weiten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens fruchtbar geworden – nicht nur in der persönlichen Lebensführung vieler Menschen, sondern auch in Pädagogik (Waldorf Schulen und Kindergärten), Medizin ­(Diplom Anthroposophische Medizin der österr. Ärztekammer), Landwirtschaft (biologisch dynamisch/Demeter), in der Kunst ­(Eurythmie, organische Architektur) und in ­einigen sehr erfolgreich in der ­internationalen Wirtschaft agierenden Unternehmen im Heilmittelbereich bzw. der Körperpflege und Gesundheit.

Die Grundmaxime der freien ­Menschen hat Rudolf Steiner in ­seiner „Philosophie der Freiheit“ (seinem philosophischem Hauptwerk) so formuliert: „Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden ­Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen.“

Zunehmend beschäftigen sich nun auch Veterinärmediziner mit dem allgemeinen medizinischen bzw. landwirtschaftlichen Werk von Dr. Steiner bzw. der zugrunde­liegenden anthroposophischen Naturerkenntnis, um entsprechen­de Behandlungsweisen für unsere Haustiere abzuleiten und zu entwickeln. Im wesentlichen basiert dieser Artikel auf dem Werk von Dr. Jörg Spranger (Spranger, ­Lehrbuch der anthroposophischen Tiermedizin, 2006).