Astor – der Hund vom Schiff

Es war Juli 1999, als Elisabeth – wie so oft – ihren Mann in Mainz besuchte. Bei einem Restaurantbesuch fiel ihr ein junger Golden Retriever auf, der offensichtlich dem Kellner gehörte. Wie dessen Kolleginnen den Gaupmanns erzählten, hätte es der Hund bei ihm aber nicht gut, er sei den ganzen Tag über eingesperrt. Elisabeth Gaupmann: „Mein Mann blieb dem Ganzen auf der Spur – und einen Monat später kaufte er dem Kellner den Hund einfach ab“.  Dem war der Hund sowieso bald zuviel geworden. Er hatte den Welpen auf einem Schiff gekauft, aus dem Karton heraus …

Erste Probleme im Welpenkurs
Astor stammt vermutlich von einem Massenzüchter, der den Welpen viel zu früh von seiner Mutter und den Wurfgeschwistern weggenommen hat – das stellte sich spätestens im Welpenkurs heraus, den Elisabeth mit ihrem Hund besuchte: „Astor suchte einfach keinen Kontakt zu den anderen Welpen, und wollte nicht mit anderen spielen.“ Trotzdem absolvierte man den Welpenkurs und stieg dann um auf den Junghundekurs. Da warf Elisabeth aber schon nach einem Monat entnervt das Handtuch, „weil Astor auf jeden Hund los ging und ich daher fast die ganze Kursstunde mit ihm nur am Rande des Hundeplatzes gehen durfte.“ Kein Renommee für den Hundetrainer und den Hundeplatz!

Astor ist herzkrank
Ein Hund, als Welpe viel zu früh dem Wurf entnommen, dann wochenlang – gepfercht in eine enge Schachtel – auf einem Schiff unterwegs und schließlich gekauft von einem Mann, der keine Ahnung und keine Zeit für ihn hatte, ein solcher Hund kann kein normales Sozialverhalten entwickeln. So studierte Astors Frauchen intensiv Hundeliteratur, und besuchte einen Kurs bei einem auf Problemhunde spezialisierten Hundetrainer. Doch bald schied man aus dem Kurs aus, weil Frauchen auffiel, dass ihr junger Hund zu rasch ermüdete. So wurde Astor in die Tierklinik Hollabrunn gebracht, wo man einen Herzfehler diagnostizierte. Der Hund wurde zwar mit Medikamenten gut eingestellt, aber Elisabeth war schwer ums Herz: „Mein Astor ist so jung und schon so krank“. Zum x-ten Mal verwünschte sie diese Massenhundezüchter und Hundehändler.

Von da an ging´s bergauf …
Eine Urlaubswoche in der Hundefarm des bekannten Wolfsforschers Günther Bloch brachte dann die Wende. Ohne Leine und ohne seine Besitzer begann Astor in Blochs Haus sogar mit einem Rüden zu spielen. Elisabeth besuchte weitere Seminare, darunter auch das seinerzeitige WUFF-Seminar mit Univ.-Prof. Bubna-Littitz, und traf dort viele Hundebesitzer, die ähnliche Probleme hatten. Seither übt sie zuhause weiter, und es wird immer besser. Astor spielt nun auch mit anderen Hunden und hat sogar zwei „Freundinnen“. Astors Frauchen will mit ihren Erfahrungen aufzeigen, „was Massenzüchter und Hundehändler nur aus Geldgier einem unschuldigen Tier zufügen“, zugleich aber sagt sie: „Wenn man versucht, seinen Hund zu verstehen, und viel Liebe und Geduld aufbringt, können viele Probleme bewältigt werden. Wir lieben unseren Astor über alles und sind froh, dass er bei uns ist."

Aus WUFF-Ausgabe 2003-07/08