Am Anfang war das Möhchen! Eigentlich Moh und eine deutsche Boxerhündin, heute 5 Jahre. Erfüllung eines Kindertraumes, und idealer Einsteigerhund für Katzenmenschen!? Moh war und ist stur, eifersüchtig, ständig beleidigt, sehr kompliziert, eine Katastrophe in der Hundeschule, aggressiv gegenüber Hunden, anfällig für alle möglichen Krankheiten, einfach eine starke Persönlichkeit - aber so süß, ein echter Familienhund, kindernärrisch, das Reizendste, das man sich nur vorstellen kann und entsprechend verhätschelt!
Die Zweite
Dann wird Amica auf der Autobahn ausgesetzt aufgegriffen, ein Appell von unserer Tierärztin, sie in Pflege zu nehmen. Abgesehen von meiner Panik vor Rottweilern und Mohs Aggression gegenüber anderen Hunden verläuft die erste Begegnung ohne gröbere Verletzungen, nur eine Generalreinigung unserer Tierärztin ist angesagt, da Amica sie bäuchlings im Matsch nachschleift. Mit Hilfe von Unterordnungsübungen wird Moh in Schach gehalten und Amica vorgestellt. Amica, 8 Monate alt, schwer misshandelt und entsprechend unausgeglichen und unsicher, unterwirft sich sofort. Dann die bange Frage, was sagt Amica zu unseren 15 Katzen! Kein Problem, eher die Stubenunreinheit und die Angst vor Händen. Am zweiten Tag, ab in die Hundeschule. Von Vermittlung keine Rede mehr, mein Mann verliebt sich total in sie. Also gut, wir haben zwei Hunde! Die Nachbarn werden hysterisch wegen dem 8 Monate alten "Kampfhund"! Ein 2,50 m hoher Zaun wird errichtet.
Exakte Rollenspiele
Die Rollen sind klar, Moh ist der Boss, darf als einzige aufs Sofa, Amica ist gut zum Spielen und nach Lust und Laune zum Sekkieren. Sie lässt es zu, ist eben noch ein Baby (Riesenbaby=35 kg!). In der Hundeschule arbeitet sie toll. Moh eifert sehr, wird ständig bevorzugt behandelt. Dann, 1.1.2000, Amica beißt mich nach einem Jahr bei uns ins Gesicht und verletzt mich schwer! Die Schäden durch die schlechte Behandlung am ersten Platz sitzen tief. Ich wollte ihr nur ein Bussi auf den Kopf geben. Die Überlegung, Einschläfern? Verhaltensspezialist Prof. Dr. Bubna-Littitz diagnostiziert kein Aggressionsverhalten beim Hund, ich habe mich falsch verhalten! Die Kinder werden instruiert, wie sie richtig mit Amica umgehen, und was sie nicht tun dürfen. Meine Panik vor Hunden ist wieder voll erwacht, ich trau mich nicht einmal mehr mein Möhchen abzuknutschen. Amica bleibt bei uns und es bleibt bei dem einmaligen Missverständnis.
Dritter im Bunde
Dann gibt’s da noch Rocky, schwarzer, großer Terrier-Drahthaar-Mix. Mohs bester Freund von Welpentagen an, vielgeliebter Hund eines 14-jährigen, für zwei Jahre! Dann, Moped raus aus der Garage - Hund rein! Für 2 lange, finstere, einsame Jahre. Durch einen Umzug ist der Kontakt abgerissen, wir erfahren zufällig von seinem Schicksal. Anfangs fahr ich mit den Mädels einmal pro Woche zu ihm, hole ihn raus aus seinem verdreckten Verlies und lass sie spielen, fütter ihn endlich wieder richtig. Er will immer ins Auto steigen und mitfahren. Trauer auf beiden Seiten. Dann halt ich’s nicht mehr aus und ich lass ihn einsteigen. Ab zur Tierärztin, die Scheisse runterwaschen, Wunden versorgen, impfen. Zitternde Knie, er ist ein absoluter Katzenhasser, nicht stubenrein, ein 4 Jahre alter Rüde, von dem ich nicht sehr viel weiß. Er hat 32 kg, ich 47.
Hundesportler in Reinkultur
Die Mädels sind begeistert, er wird sofort akzeptiert. Amica hat leichte Rangordnungsprobleme, wir legen die Ordnung fest und untermauern sie täglich. Moh ist der Boss, Amica die zweite und Rock der dritte, wobei er als Rüde anscheinend ohnehin eine Sonderstellung hat. Er markiert das ganze Haus, egal, ich wollte ohnehin ausmalen. Und das tollste - er ignoriert die Katzen! Luft, einfach Luft.
Nach drei Monaten und täglicher Arbeit gewinnen Rock und ich bei der Landesmeisterschaft Süd den dritten Platz in der BH2, er ist ein Superwiffzack. Seither gehen wir ständig zu Turnieren, heuer Cup-Turnier. Er ist mein Hund, klebt Tag und Nacht wie eine Briefmarke auf mir. Die erste Zeit ist hart, er trauert um seinen alten, fürchterlichen Platz. Ich muss ständig an Krambambuli denken. Die Nachbarn sind jetzt völlig fertig, ein größeres Auto muss her, mein Tag ist ausgefüllt mit Hundegeschichten. Ich schau es Moh ab, wie sie Rocky immer wieder unterwirft und tu es auch. Mit viel Konsequenz werde ich zum Rudelführer, auch für Monsieur Rocky! Wochentags geh ich alleine mit den Hunden spazieren, das geht nur mit absolutem Gehorsam. Tägliches Training, ständige Kurse, viel Spielen mit dem Hintergrund, dass wir das Sagen haben. Bücher und Zeitschriften werden gelesen, Seminare besucht, Gespräche mit kompetenten Menschen geführt - und - es funktioniert! Ich werde mit meinen 3 "Monstern" im Auto zwar nur mehr schief angeschaut, das ist aber egal.
Alltagsherausforderungen
Moh reagiert als Führerin im Hunderudel immer aggressiver gegen andere Hunde, sie reißt Zoff an, Rocky führt ihn aus! Konsequenz: keine gemeinsame Hundeschule mehr, vorausschauend spazieren gehen. Amicas kindliches Gemüt, trotz 3,5 Jahren, wird gefördert, es soll zu keinen Rangkämpfen kommen. Im Ernstfall hält Rocky immer zu Moh, eine wahre Freundschaft, ansonsten hat er die Sonderstellung des Rüden. Heute machen mein Mann und mein jüngerer Sohn mit den Mädels in einem anderen Hundeverein mit sehr viel Spaß Agility und Rock und ich arbeiten hauptsächlich selbständig für unsere Turniere.
In einem sind wir vier uns auf jeden Fall einig: Wir lieben unsere drei "Monster" und könnten uns ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Wichtig ist, dass sie absolut lieb gegenüber Menschen sind - obwohl das manchmal missverstanden wird, da sie freundlich-ungestüm, groß und schwarz bzw. braun sind!