Ich stehe früh am Morgen auf, mein 5-jähriger Bullterrier-Rüde „Willi“ kommt, freudig schwanzwedelnd, auf mich zu gelaufen. Er gähnt ein paarmal, streckt sich und springt an mir hoch. Er weiß, „gleich geht's nach draußen!“ Ich stecke seinen Lieblingsball in die Jackentasche, ein paar Leckerchen für ihn, lege Halsband und Leine an, und los geht's, wedelnd und eilig zum nahe gelegenen Park. Dort angekommen, gehen wir ein Stück. Willi ist kaum zu bremsen, die Hundewiese winkt … Die Leine ab, den Ball geworfen, und dann folgt eine halbe bis eine Stunde ausgelassenes Spiel. Spaziergänger und Kinder amüsieren sich über den kleinen, weißen Blitz, der nach seinem Ball springt, rennt, hechtet und bisweilen mal übers Ziel hinaus schießt und sich überschlägt.
Hundekumpane kommen angeflitzt, man jagt sich über die Wiese und begrüßt sich stürmisch. Willi wendet sich bald wieder ab, der Ball ist momentan interessanter! Wir treffen auf seine Freundin „Lilly“, die schnappt sich den Ball, rennt damit davon, Willi, langsamer und weniger wendig als sie, wartet geduldig, bis sie an ihm vorbeigefegt kommt und nimmt die Verfolgung auf. Es folgt ein herrliches Gerangel und Gebrumme, Gewusele und Getobe, auch der kleine Parson Jack Russell aus Holland schaut mal vorbei und flitzt mit um die Wette. Mein Bully nimmt das alles gelassen, spielt mal hier mal da 5 Minuten mit, dann kommt er wieder zu Frauchen: „Los! Ball spielen, Kuscheln! Weiter laufen!“ Also gehen wir jetzt auf Schnuppertour, Willi immer mit der Nase am Boden, hier suchen, da markieren, dort sich im Gras wälzen, die frischen Halme abknabbern, niesen, sich hinlegen, wohl fühlen.
Anschließend statten wir dem Park-Café noch einen kurzen Besuch ab, dort steht der rote Eimer, die „Hundebar“. Willi senkt seinen Kopf hinein und schlabbert gierig Wasser, Frauchen kauft sich eine Limonade, einen Becher Kaffee, ein Stückchen Kuchen, je nachdem. Wir suchen uns ein nettes Plätzchen am Tisch und ruhen aus. Vorbei kommende Hundehalter begrüßen uns, man hält ein Schwätzchen während sich die Hunde beschnüffeln und ihrerseits Neuigkeiten austauschen, dann machen wir uns so langsam wieder auf den Heimweg. Willi läuft zufrieden, erschöpft und schwarz-grau besudelt bis zum Bauch neben mir her, (was so ein richtiger Bully ist, der schmeißt sich unterwegs noch nach Möglichkeit in eine tolle Schlammpfütze). Zuhause wird erstemal eine Grundreinigung vorgenommen, und dann gibt's endlich Futter …
Bully hat das Lachen verlernt
… ach Nein! Stopp! „Moment mal, das war ja nur ein Traum!“, denke ich, als ich tatsächlich heute morgen aufwache: All das ist früher gewesen, ist Vergangenheit, vorbei und aus. Tatsächlich bleibt uns heute nur der erste Teil der Erzählung, denn es gibt keinen Ball mehr, den wir mit nach draußen nehmen könnten, keine überschäumende Vorfreude auf den Spaziergang, keinen „lachenden“ Bully voller Ungeduld. Denn neben Leine und Halsband lege ich neuerdings noch einen Maulkorb um. Das ist ein störendes, behinderndes, fremdartiges Ding mitten in seinem Gesicht, egal, aus welchem Material, wie groß oder klein, mit Leberwurst eingeschmiert oder zurechtgeschnitten. Seine Kopfform läßt gar nicht zu, daß er die Behinderung nicht wahrnimmt. Seitdem geht mein kleiner Bully nur noch ungern nach draußen, er zittert am ganzen Leib und klemmt den Schwanz ein. Er geht bis zum nächsten Baum, verrichtet schnell sein Geschäft und legt sich flach auf den Boden oder sitzt unglücklich da. Mit angelegten Ohren und traurigem Blick hockt er dann vor mir, fleht mich förmlich an, ihn doch nicht so zu bestrafen, er hat doch gar nichts getan!
Der liebste Hund
Natürlich nicht! Er hat noch nie gebissen, weder Hund noch Mensch, und einen Wesenstest hat er auch schon gemacht. Da steht drin, daß er ein „temperamentvoller, freundlicher Rüde ohne jedes Anzeichen von Dominanz oder Aggression ist“, der „sich sehr gut führen läßt und sich im Strassenverkehr sicher und unauffällig bewegt“. Auch von „voller Übereinstimmung“ zwischen Hund und Halterin steht da was, und von „superfreundlich, läßt sich sofort anfassen, auch von behinderten Kindern“. Frauchen hat im Sachkundetest nachgewiesen, daß sie, wie es so schön heißt: „In der Lage ist, einen gefährlichen Hund zu führen“. Und trotzdem immer noch der Maulkorb? Warum? Kann mir das einer der 16 deutschen Minister erklären, die mit ihren eilig „mit der heißen Nadel gestrickten“ Hundeverordnungen soviel Leid, Unsicherheit und Angst über Zigtausende von friedfertigen und verantwortungsvollen Hundehaltern gebracht haben? Gibt mir vielleicht eine/r von denen meinen fröhlichen, neugierigen, lustigen, selbstbewußten und immer gut gelaunten Hund zurück?
Hundehysterie geschürt
Andere Hundehalter, Spaziergänger, Eltern mit Kindern, Nachbarn und sogar manche Bekannte weichen auf einmal aus, leinen ihre Hunde an, (was ich ja, dank der HVO nicht mehr zu tun brauche, da mein Bullterrier immer an einer, höchstens 2 Meter-Leine geführt zu werden hat), reißen ihre Kinder auf den Arm, schimpfen schon von weitem, spucken, drohen, pöbeln. Kinder bewerfen meinen geliebten Hund mit Blechdosen und Stöcken, Jogger schreien mich an, Jugendliche provozieren mich, Nachbarn denunzieren mich, Polizisten kontrollieren mich.
Freiwild geworden
Mein Hund wird von unangeleinten Rüden angegriffen, Hunde, die ihn schon lange kennen, verhalten sich aggressiv gegen ihn, weil sie mit seinem Maulkorb ‘nicht klar kommen’, manche Besitzer frei laufender Hunde machen sich einen Spaß daraus, ihre Hunde zu animieren, sich meinem „nunmehr im Hundedenken wehrlosen“ Bully von hinten zu nähern. Ende Mai wurde mein Hund durch einen unangeleinten Rüden ohne Grund angegriffen und schwer verletzt, er mußte eine mehr als einstündige Notoperation und eine mehr als vierwöchige, schmerzhafte Nachbehandlung über sich ergehen lassen. Trotz einer Anzeige beim zuständigen Veterinärsamt gegen den Halter und eines vom Amtstierarzt auferlegten Leinenzwangs, läuft dieser Mischlingsrüde nach wie vor unangeleint herum, er hat sogar in meinem Beisein einen Radfahrer attackiert. Nichts passiert!
Selbsterfüllende Prophezeiung
Das im Grundgesetz verankerte Gleichheitsgebot und das Tierschutzgesetz sind Schall und Rauch wenn es gilt, sich den Bürgern medienwirksam als Beschützer vor den „Killerbestien“ zu präsentieren, die „Deutschland in Angst und Schrecken versetzen“, so titelten diverse Boulevardblätter nach dem Tod des kleinen Jungen in Hamburg. Daß dort die Behörden (Ordnungsamt und Polizei) es versäumt hatten, bereits bestehende Verordnungen konsequent anzuwenden und dem vielfach vorbestraften Halter der (ebenfalls mehrfach auffällig gewordenen) Hunde diese zu entziehen oder zumindest die angeordneten Auflagen zu überwachen, soll sich nicht im Gedächtnis der Öffentlichkeit manifestieren. So ist es letztendlich auch nur eine Frage der Zeit, bis friedliche „Kampfhunde“, verstört durch den Maulkorb und deshalb von Artgenossen verstärkt angegriffen, Wesensveränderungen aufweisen werden, die sich in aggressiverem Verhalten äußern könnten. Anscheinend ist genau dies beabsichtigt, böte es doch Gelegenheit, weitere drangsalierende Verschärfungen wie Einfuhr- und Zuchtverbote einzuführen, und noch mehr „Kampf“- Hunde einzuziehen und zu töten.
Es muss endlich Schluss sein!
Wir, die Hundehalter, und ganz besonders die Halter der Tiere, die auf willkürliche und ohne jede genetisch, kynologisch oder sogar statistisch zu begründende Rasselisten gesetzt wurden, haben ein Recht auf die freie Auswahl unseres Haustieres, auf Schutz vor Übergriffen und Diskriminierung, auf Gleichbehandlung durch die Gesetze und auf Wohnraum mit unseren Hunden! „Der Halter trägt die Verantwortung für seinen Hund!“ Und nur der und niemand sonst! Wir sind keine unmündigen, leichtfertigen, brutalen oder besonders aggressiven Menschen, wir lieben unsere Hunde und pflegen, erziehen und beschützen sie. „Niemand darf ein Tier ohne Grund quälen oder ihm Leid zufügen“, so steht es im §2 des Tierschutzgesetzes, wie also, kann mich eine solche Verordnung dazu zwingen, meinem Tier täglich psychisch und physisch Leid zuzufügen, wenn das doch 'verboten' ist?
>>> WUFF - INFORMATION
Deutsche Bahn: Hundehalter ausgeschlossen
Erklärt mir jemand, wieso ich jetzt nicht mehr verreisen kann? Da ich keinen Führerschein und kein Auto besitze, bin ich seit dem 1. September 2000 aus dem innerdeutschen Reiseverkehr ausgeschlossen. Die Deutsche Bahn hat nämlich ab diesem Datum eine Rasseliste ausgerufen, die die Mitnahme von dort aufgeführten Hunden, auch mit Maulkorb, generell untersagt. Nun stellt sich doch die Frage, wieviele Reisende in den vergangenen 10 Jahren je von einem, durch andere Mitreisende mitgeführten Hund, bedroht, gebissen, verletzt oder getötet wurden. Auf meine Nachfrage bei der DB AG wurde die Rasseliste mit Fahrgastanfragen und -Beschwerden begründet; die Monopolstellung der Deutschen Bundesbahn sowie deren Beförderungspflicht wurden hier wohl nicht berücksichtigt.