Dicke Freunde

Ein Hund sollte die Familie bereichern. Meine Eltern wollten einen Familienhund und informierten sich daher über die verschiedensten Rassen. Vom Pudel über Dackel bis zum Dalmatiner, oder sollte es ein Mischling sein? Da meine damals siebenjährige Schwester und ich uns von ganzem Herzen einen eigenen Hund wünschten, machten wir auch alle möglichen Versprechungen hinsichtlich Verantwortung und Kosten. Aber alle Versuche schienen uns von Mal zu Mal vergeblicher. Es schien, als wären die Eltern bereits wieder von dieser, für uns wundervollen, Idee abgekommen.

Dieser Hund gehört nun uns
Doch an einem Wochenende im Oktober 1993 sollte sich unser Leben etwas ändern. Am Sonntag fuhren wir nichtsahnend zu einem Bekannten. Als wir dort ankamen, kroch zwischen dem vielen Getümmel ein kniehoher mittelbrauner Hund hervor. Ich fragte ganz neugierig, wem wohl dieser Hund gehöre. Die Antwort traf mich wie ein Blitz. Mein Vater antwortete grinsend: "Dieser Hund gehört nun uns!" Ein unbeschreiblich schönes Gefühl überfiel mich. Ich war einfach glücklich, mein sehnlichster Wunsch war in Erfüllung gegangen! Als wir dann zu Hause ankamen, waren wir alle sehr aufgeregt, denn wo durfte er nun schlafen? Wie reagiert er auf ein Kleinkind? Wie oft muß er hinaus? Und und und ...

Jagdhundrasse
Der Hund heißt Ben, aber wir nennen ihn alle Benny. Er kommt aus Deutschland und ist ein Westfalenterrier. Als wir ihn bekamen, war er bereits 6 Monate alt. Mein Vater hatte nämlich bereits einige Monate vorher auf der Grazer Hundeausstellung den Besitzer von Bennys Schwester kennengelernt und informierte sich über diese Rasse, die wie ein größerer Deutscher Jagdterrier aussah. Die Zeichnung und das schöne Fell gefielen auch meiner Mutter, die nun unbedingt so einen Hund wollte. Der Tatsache, dass es sich dabei um eine Jagdhundrasse handelte, trugen meine Eltern allerdings nicht Rechnung. Sie dachten, wenn man den Hund erst gar nicht jagdlich abführt, dann ist die Sache schon abgehakt - doch es kam anders. Außerdem ist meinen Eltern beim Kauf unseres Hundes noch ein Fehler unterlaufen. Denn Benny wies einen Zuchtfehler auf. Er hat ein ständiges Zittern, das von Jahr zu Jahr immer schlimmer wird. Nun zittert er sogar schon im Sitzen an allen zwei Pfoten und beim Stehen an allen Vieren. Es ist fast schon so schlimm, dass er als Ganzer zittert, was sicher nicht angenehm ist. Am Anfang war es kaum zu bemerken, doch jetzt ist es wirklich unübersehbar!

Anders als erwartet
Die ersten drei Wochen stritten sich meine Schwester und ich täglich um den Hund, wer mit ihm wohl Gassi gehen dürfe. Ich gab meistens nach und verzichtete. Doch schon nach etwa einem Monat wurde Benny für meine Schwester uninteressant, und ich hatte den Hund nun für mich alleine. Schon nach kurzer Zeit hatte er die Familienhundeprüfung mit “Sehr gut” abgeschlossen. Er folgte sehr brav, doch eines war er ganz sicher nicht: Die Art von Familienhund, die wir uns ursprünglich vorgestellt hatten.
Im Mai 1994 bestand Benny die Begleithundeprüfung mit einem weiteren “Sehr gut”. Er ist außerordentlich gelehrig und arbeitsfreudig, aber nur solange er von Tierfährten nicht abgelenkt wird. Er ist schlau und merkt sich alles sehr schnell. Ich ging mit ihm noch etwa zweimal die BH1, dann versuchte ich unser Glück mit Agility. Ich hatte es zuvor nur im Garten ausprobiert. Er konnte alle Geräte und hatte vor keinem Angst. Das einzige Problem: Er war öfters unkonzentriert. Manchmal passierte es, dass nach dem Zieleinlauf, als ich mich zu ihm bücken und ihn loben wollte, er auch schon wieder weg war, mit der Nase am Boden, irgendwo im Gelände.

Kostet die letzten Nerven
So hat also offensichtlich eine Jagdhundrasse auch ohne spezielle jagdliche Ausbildung einen starken Instinkt zu jagen und zu stöbern. Damit kann ein harmloser Spaziergang zu einem wahren Horrortrip durch den Wald werden. Lautes Gejaule und Gebelle begleiten das Zwitschern der Vögel im Grünen. Das kann einen die letzten Nerven kosten. In der Wohnung hingegen ist Benny ein frommes Lamm, das brav in seinem Körberl liegt. Er lässt alles mit sich machen und sieht aus, als ob er keiner Fliege was zuleide tun könnte.
Da zumeist ich sehr viel mit ihm unternehme, ist Benny sozusagen mein Hund geworden. Tag für Tag ziehen wir unsere Runden. Wenn ich zu Freunden gehe, kann ich ihn mitnehmen, und auch sonst ist er überall bei mir dabei. Er ist wirklich ein braver Hund, nur im Wald ist er sehr anstrengend.

In der Stadt nur mit Leine
Auch die Stadt ist kein Problem für ihn, er fährt brav Straßenbahn oder Bus. Von der Leine kommt er allerdings wegen seiner Unberechenbarkeit fast nie. Wenn er plötzlich die Spur einer Katze aufnähme, dann wäre er auch schon weg. Denn in diesem Moment, wo sein Instinkt durchkommt, hört und sieht er nichts mehr, konzentriert sich nur noch auf die Fährte.
Am Anfang wussten wir nicht, dass er z.B Katzen "liebend gern" hat. Doch schon nach wenigen Tagen kannte er alle Katzen und wir alle Katzenbesitzer unserer Siedlung. Wir nehmen unseren mittlerweile fast schon acht Jahre alten Hund überall hin mit, sei es in den Urlaub oder zu diversen Tagesausflügen.

Wasserratte
Am Meer und an Seen ist er in seinem Element. Benny ist eine geborene Wasserratte. Selten kommt er von alleine aus dem Wasser wieder heraus, was mir einmal im Urlaub fast zum Verhängnis wurde. Unser Westfalenterrier ist ein unbändiges Energiebündel mit Kraft und Mut. Er hat zwei Seiten: eine ist die brave, liebe, geduldige und kraftvolle Seite, und die andere ist jene, wo sein Instinkt voll zur Geltung kommt, was einem die allerletzten Nerven raubt, und wo ich schon wirklich des öfteren verzweifelt war. Der Westfalenterrier benötigt viel Bewegung, weshalb Aktivitäten wie Radfahren, Bergsteigen, Schwimmen, Laufen und Skitouren bei Benny immer willkommen sind. Oder eine weite Tour mit den Doggen meiner Großeltern in Eisenerz, unser "Hundetrio".

Wir wachsen zusammen
Ein Erlebnis um das andere lässt uns immer dicker zusammen wachsen. Es gibt in unseren gemeinsamen 8 Jahren kaum etwas, was wir nicht erlebt haben. Er ist ein Hund für Abenteuer, jedoch eben kein Hund, der beim Spazierengehen Stöckchen spielt oder sich um alle Familienmitglieder kümmert - ihm sind die Haserln etwas wichtiger ... Ansonsten ist Benny wirklich ein ganz lieber Hund und mein Begleiter, der mit mir zusammen meine Wege geht. Ich könnte mir ein Leben ohne Ben gar nicht mehr vorstellen.



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Der Westfalenterrier

Diese Rasse ist noch relativ jung. Erst 1970 wurde mit der Zucht in Dorsten in Westfalen begonnen. Der Westfalenterrier gehört zu den jüngeren Zuchtformen des Terriers: Durch Einkreuzen von Lakeland-Terriern und Foxterriern ist die Rasse aus dem Deutschen Jagdterrier herausgezüchtet worden. Das Zuchtziel war, einen kleinen Terrier zu schaffen, der intelligent, ruhig und führig ist, gleichzeitig eine vielseitige jagdliche Veranlagung besitzt und durch sein edles Erscheinungsbild auf sich aufmerksam macht. Ein Jagdhund mit dem gleichen Ehrgeiz und mit dem Mut, der Kraft und dieser Stärke, wie der Deutsche Jagdterrier.



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Jagdhund als Familienhund?

Mit diesem Beitrag wollte ich ein bisschen die Botschaft vermitteln, dass ein Jagdhund doch etwas anderes ist als ein "normaler” Familienhund. Man muss das Beste daraus machen. Mittlerweile haben wir gelernt, mit seinem Instinkt umzugehen, und wir wissen, dass es im Wald ohne Schimpfen nicht geht. Auch der Kauf sollte beachtet werden. Benny hat einen Zuchtfehler, der immer schlimmer wird. Wir glauben, dass es ohne den vielen Sport, den wir mit ihm machen, noch viel schlimmer wäre.

Katharina Steindl (16) aus Graz


Aus WUFF-Ausgabe 2001-07/08