Die französische Bulldogge

Kleiner Athlet

Es ist unmöglich über den Ursprung der Französischen Bulldogge zu sprechen, ohne den hervorragenden Beitrag der Engländer zu erwähnen. Sie haben als perfekte Züchter wohl mehr als zwei Drittel aller anerkannten Rassen geschaffen. Eine der liebenswertesten Schöpfungen ist die Französische Bulldogge, deren Festigung, Definierung im Standard - und damit ihre Etablierung als Rasse - allerdings den Franzosen (daher der Name!) vorbehalten blieb.
Dennoch hatte ohne Frage die Englische Bulldogge ausschlaggebenden Einfluss auf die Zucht. Allerdings nicht der übertrieben und verkrüppelt wirkende Typ, den wir auch heute so oft ausgestellt sehen, sondern sein Vorgänger, ein hochbeiniger, starker und körperlich zur Auseinandersetzung mit Bullen imstande wirkender Hund, der seinen Ursprung wiederum von den Mastiffs ableitete.

Bullbaiting
Anfang des vorigen Jahrhunderts waren immer größere, schwerere Exemplare mit immer übertriebener wirkenden Formen herangezüchtet und von den Engländern für den Kampf gegen Stiere missbraucht worden. Im Jahre 1802 beschloss das Parlament ein Verbot des Bullenhetzens. Die Kämpfe gingen dessen ungeachtet bis mindestens ins Jahr 1840 weiter, wobei an die Stelle des „Bullbaitings" kaum weniger schöne Hundekämpfe traten, die an Grausamkeit auch nichts zu wünschen übrig ließen. Allerdings waren nunmehr kleinere, wendigere Hunde erforderlich, was man durch Einkreuzen mit Terriern zu erreichen suchte. Das kaum weniger blutrünstig aussehende Ergebnis, die bloße Verkleinerungsform ihrer Englischen Bulldogge, ließ man, weil vortrefflich verwendbar, gerade noch gelten, nicht aber das Selbständigwerden einer derartigen Ambitionen wenig zugetanen Hunderasse: Schon damals gab es einige, die von dem auf niedersten Instinkten beruhenden Bild unbedingt wegkommen und unter Einkreuzung nun auch von Möpsen (TRENKLE) schließlich zu dem kommen wollten, was der berühmte Kynologe Dr. HAUCK 150 Jahre später „den wohl originellsten Typus aller Hunderassen" nennen sollte, die Französische Bulldogge.

Vom Mastiff zum Französ´chen
Der lange Weg vom Mastiff zur Englischen Bulldogge, die „viele Stufen vom Fleischerhund zur pathologischen Karikatur" (Dr. HAUCK) durchmachen musste, bis hin zu unserem „Französ'chen", zeigt die züchterischen Fähigkeiten, die Erbmasse positiv zu beeinflussen: Das war keineswegs eine natürliche Entwicklung, sondern eine künstliche, von Sehnsucht und ästhetischem Empfinden getragene Schöpfung durch Menschenhand, der wir die Französische Bulldogge, wie wir sie heute haben und lieben, verdanken, und die nicht genug bewundert werden kann.
Welches Beharrungsvermögen, welche Liebe damals nötig waren, um die kleine charmante Französische Bulldogge mit ihrer geradezu zärtlichen Seele zu schaffen, die den Möpsen ungleich mehr verdankt, und mit dem Urahn kaum mehr als den bloßen Namen gemein hat, ist daraus zu erahnen: Zwischen den Bildern Englischer Bulldoggen aus dem Jahre 1850 und den ersten Bildern der „Franzosen" der Jahrhundertwende liegt ein bemerkenswert breiter Streifen Niemandsland. Der für sie unerträgliche Gedanke, dass es auch anderswo als in England - und noch dazu so erfolgreiche! - Bulldoggen geben könnte, führte dazu, dass sie von der offiziellen Kynologie jahrzehntelang einfach geschnitten wurde und man es anderen überließ, die in ihrem Sinn ja nicht zu gebrauchenden Spielzeug-Bulldogs zu vervollkommnen.

Wanderte mit den Arbeitern aus
Um diese Zeit hatte die industrielle Revolution besonders in England dazu geführt, dass viele Arbeiter durch die aufkommenden Maschinen ersetzt wurden. Die von plötzlicher Arbeitslosigkeit Bedrohten wanderten vornehmlich nach Frankreich und Belgien aus. Konnten sie ein besseres Zeichen für ihren Patriotismus und ein besseres Andenken an ihr Land mitnehmen als die kleine Bulldogge, die notfalls auch getragen werden konnte?
Der Trend ging bereits um 1860 aber unaufhaltsam zu einer Rasse, die auch „bereits rein äußerlich einen bedeutend weniger abnormalen Eindruck" (vgl. Dr. HAUCK, Doggenartige Hunde) machte, als ihr großer, englischer Vetter: Der mit Terriern und insbes. Möpsen längst zu seinem Vorteil veränderte Bulldog wurde zum „Franzosen", als es allmählich gelang, das aufrecht stehende Ohr erblich zu fixieren und in das bewunderte Fledermausohr zu gestalten: „A STAR WAS BORN!"

Ein „Ungebrauchshund"
Dieser völlig neuartige Stern am kynologischen Himmel erwies sich als vollendeter „Un-Gebrauchshund" und eroberte bald auch die Herzen der Damen, zunächst der halben und kurz darauf die der ganzen Welt: 1898 brachte Herr Wahrmann den ersten gestromten Bully aus Frankreich nach Österreich. Mit ihrem gestromten Mantel hatte die Französische Bulldogge in Wien ebenso viel Erfolg wie ein paar Jahre zuvor in Paris und wurde zum erklärten Liebling der Wiener, in den sich alles vernarrte. 1912 war in Wien der „Klub für Französische Bulldoggen" gegründet worden. Angesichts der wachsenden Vorliebe musste eine entsprechende Anzahl von Tieren hervorgebracht und auch viele Tiere aus dem Ausland eingeführt werden, so dass wohl gesagt werden kann, dass auch Österreich bis zum Krieg, der so vieles beendete, einen hervorragenden Beitrag leistete.

Legendäre Frau Sacher
„Mit einem Bully kann man sprechen!" meinte Frau Anna SACHER, die legendäre Züchterin Französischer Bulldoggen und Inhaberin eines weltberühmten Wiener Hotels über diese „Antiquität" mit so großer österreichischer Tradition. Und wirklich: Wer eine Französische Bulldogge besitzt, bekennt sich zur Alten Welt! Gleichzeitig ist sie aber auch der passende Begleiter für die moderne City: Lammfromm, aber mit einem Löwenherzen ausgestattet, kompakt, schnell, wendig, robust, skeptisch, aber nicht unfreundlich, kurz: „innen größer, als außen" ist sie die ideale Begleitung für den Stadtmenschen.

Kleiner Athlet
Sie sieht eigenartig aus, ganz anders als alle anderen Hunde. Es gibt wenige Hunde auf der Welt, die - wie die Französische Bulldogge - nur Auge und Ohr sind und dazu noch kleine Athleten. Sie sieht gefährlich aus und ist es gar nicht, sondern vielmehr äußerst empfindsam und anhänglich.
Sie erweckt einen ernsten Eindruck, ist ständig munter und scheint dabei mit ihrem ganzen Körper zu lachen. Sie ist ein Clown im Rock eines Philosophen, stets zu Scherzen aufgelegt, strahlt sie dennoch tiefe Ruhe und Würde aus. Sie scheint aus lauter Gegensätzen zu bestehen und ist doch angenehm anzuschauen, da sie so wohl proportioniert ist.
Weitere Informationen über die Französische Bulldogge, sowie Kontakt zu Fachleuten dieser Rasse siehe Kasten.




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Kontakt & Info

Österreichischer Club für Französische Bulldoggen
Geschäftsstelle & Welpenvermittlung:
Stiftgasse 15, A-1070 Wien
Tel. +43 (0)1/ 526 19 26 oder 523 35 66

Das Bemühen des Clubs ist es, bei allen Bullyfreunden das Verständnis dafür zu wecken, dass und warum unser „Französ'chen" eben kein Hund wie jeder andere ist. Die dem Informationsaustausch, Vorträgen, aber nicht zuletzt auch den gesellschaftlichen Kontakten dienenden Clubtreffen (zu denen nicht nur Mitglieder, sondern alle Bully-Liebhaber herzlich eingeladen sind), finden derzeit einmal im Monat in unserem Clublokal statt. Kommen Sie zu uns. Wir freuen uns auf Sie und Ihre Bully's!
- www.franzbull.at
- hannes.pramer@chello.at

 

Aus WUFF-Ausgabe 2002-03
 

Autor dieses Artikels:

Dr. Hannes Pramer