"Meet the Alpha of the pack“, treffen sie den Alpha des Rudels – niemand kann ahnen, dass es bei dieser Aufforderung um eine Biermarke geht. Genauer gesagt, um ein kupferfarbenes Gebräu, gerade so „hopfig“, wie es nötig ist, mit zartem Malzgeschmack: Das trockene „Classic Pale Ale“ der Brauerei „Flying Dog“ im Ski-Ort Aspen in Colorado, eines der ersten sogenannten „Brauerei-Pubs“ der Gegend der Rocky Mountains.
Das gesamte Marketingkonzept dieser 1990 eröffneten Brauerei dreht sich um den Hund. Man bietet einen großen „Wurf“ Biere an, die einzelnen Biersorten haben Namen wie „Doggie Style“, „Horn Dog“, „K9 Cruiser“ oder „Snake Dog“. Dass das Marketingkonzept der drei Gründer der Brauerei voll aufgegangen ist, beweist die stetig gestiegene Jahresproduktionsmenge von heute 35.000 Fässern. Schon längst „fliegen die Hunde“ nicht mehr nur in Aspen, sondern bundesweit. Und ohne Leine, versteht sich, denn eines der Mottos der Brauerei lautet „cut the leash“ (durchschneide die Leine).
Good Beer, No Shit
1995 erhielten die expansiven und sehr flippigen „fliegenden Hunde“ einen Dämpfer. Amerika, das Land der Scheinheiligkeit, war geschockt vom Label der neuen Biersorte „Road Dog“, auf dem man lesen konnte: „Good Beer, No Shit“. Das Wort „Shit“ führte zu einer Anzeige eines erbosten „Hundefeindes“, und die Brauerei musste auf Anordnung des Bezirksgerichtes diese Marke aus den Regalen entfernen. Wir wissen es, Hunde können zäh sein, und das war auch die Flying Dog Company und ging in dem Rechtsstreit durch alle Instanzen. Im Juli 2001 war es dann soweit. Der oberste Gerichtshof von Colorado fand nichts Anstößiges an dem Satz, insbesondere nicht im Zusammenhang mit der Biermarke „Road Dog“ – und mit viel Publicity durfte der „Straßenhund“ wieder getrunken werden.
Und im selben Jahr brachte man – laut eigener Aussage „nach Monaten der Bierforschung“ – eine neue Biersorte heraus, das „In Heat Wheat Ale“, ein Weizenbier. Möglicherweise wieder ein Streitpunkt, denn der Ausdruck „In Heat“ spielt auf einen gängigen Ausdruck für Läufigkeit an. Auch uns Deutsch-Sprechenden nicht unbekannt, wenn wir sagen, eine Hündin sei „in der Hitze“.
Gib’ deinem inneren Hund, was er braucht!
„Gib’ deinem inneren Hund, was er braucht …“, gib’ ihm Bier von Flying Dog. Es wäre nicht Amerika, würde sich Flying Dog auf Biere beschränken. Die steigende Fangemeinde soll sich auch im Rahmen eines Gesamt-Merchandise-Konzeptes mit fliegenden Hunden kleiden können, es gibt Hemden, T-Shirts, Jacken, Baseballkappen und dergleichen. Weiters schmückt das „Flying Dog“-Logo auch Biergläser (das ist ja noch stimmig), aber auch Kondome und einen Spray. Letzterer nennt sich „Flying Dog Fart Extinguisher“ und soll eingesetzt werden, wenn ein echter „Dog“ sich unterm Biertisch durch seine Gerüche bemerkbar macht …
Events
Und weiter geht es mit der stilgerechten Vermarktung von Veranstaltungen, neudeutsch „events“ genannt. So haben Sie und Ihr Hund, auch wenn er (noch) nicht fliegen kann, vom 6. bis 8. Juni 2003 die Gelegenheit, in Denver am „Flying Dog Flyball Tournament“ teilzunehmen. Die Logik des Startgeldes ist aber eine ganz eigene: 80 Dollar ist die „reguläre Gebühr“, während für „Multi-breed“, also Mischlingshunde, nur 65 Dollar zu berappen sind. Im Umkehrschluss bedeutet also „regulär“ Rassehund, und Mischlingshunde sind eben nicht regulär. Sehr unfair von einer Brauerei, die in ihrem Namen „fliegende Hunde“, aber keine Rassenamen führt. Sollten Mischlingshundebesitzer vielleicht doch auf den Genuss dieser Biere verzichten? Nein, halt – da kann die Brauerei nichts dafür, das sind die Regeln des Vereines, der dieses Turnier veranstaltet, der RUFF-Flyball-Club in Denver, Colorado.
Klingender Stilbruch?
In Amerika, dem Land der (nicht mehr ganz so) unbegrenzten Möglichkeiten, kann eine Brauerei auch ein Musiklabel vertreiben. Tatsächlich, Flying Dog produziert eine CD mit einer lokalen Punkgruppe, den „Crybabies“. Aber jetzt haben wir sie! „Flying Dog Records“ hin oder her – spätestens hier hat er begonnen, der Stilbruch. Denn im Namen der Musikgruppe findet sich nichts, das mit Hunden assoziiert werden könnte. Wenn die „Crybabies“ wenigstens „Crypuppies“ geheißen hätten … Aber wenn vielleicht die Musik an das Jaulen oder gar Wimmern von Hunden erinnert? Dann war das mit dem Stilbruch wohl etwas zu voreilig. Denn dass sie über alle Jahre hin sehr konsequent waren, das haben die Flying Dogs ja wirklich bewiesen.
Für Umwelt und Tierschutz
Dass es neben dem perfekten Marketingkonzept auch eine Firmenphilosophie gibt, die sich laut eigener Aussage für soziale Anliegen, sowie Umwelt und Tierschutz einsetzt, erkennt man an jedem Sixpack: An der Unterseite jeder Sechserpackung Flying Dog Biere findet sich ein „Kaufbon“, den man abtrennen und direkt an eine von mehreren aufgelisteten humanitären oder Tierschutz-Organisationen schicken kann. Diese erhalten von der Brauerei einen bestimmten Prozentsatz des Kaufpreises. Das System ist schlichtweg genial. Denn der Käufer hat die Gewähr, dass das Geld wirklich der von ihm gewählten Organisation zugute kommt, und diese wiederum hat ihrerseits die Sicherheit, dass sie von Jedem, der sie unterstützen will, auch tatsächlich alle „Kaufbons“ bekommt, die sie dann bei der Brauerei gegen Bargeld einlöst.
Mit dieser Idee ist dem Unternehmen sicher ein großer Wurf gelungen, und ich will gar nicht wissen, wieviele Bier-Räusche in Aspen ihre Ursache im Tierschutzgedanken haben …