"Die Post ist da!" Meine Tochter Barbara stürmt in die Küche. Die Tierschutzzeitung wird sofort beschlagnahmt und nach Hunden durchsucht, die im Tierheim auf einen Platz warten. Ich kenne das schon, aber wir haben bereits zwei große Hunde, vier Katzen, drei Ziegen, vier Meerschweinchen und eine Ratte. „Mama, schau!" Meine beiden Töchter halten mir das Foto eines Dackels unter die Nase. Der Text darunter: „Molly, Langhaardackel, ca. 10 Jahre alt, katzen- und kinderfreundlich, sucht guten Platz."
Natürlich kam es anders
So hat es begonnen. Wir sind ins Tierheim gefahren, nur um den Dackel einmal anzuschauen. Natürlich kam alles anders: Meine Kinder bekamen den Dackel samt Leine in die Hand gedrückt. Nur zum Spazierengehen, um einander kennenzulernen. Und ganz besonders wies man uns darauf hin, daß die Dackelhündin bereits gut 10 Jahre oder älter sei und aufgrund ihres Alters sie niemand haben mochte. Molly aber wollte uns haben, das stand gleich mal fest. Denn sie sprang einfach bei der offenen Autotür hinein und wollte dann auch gleich im Wagen bleiben. Die Kinder waren begeistert: „Bitte nur eine Nacht, bitte laß´ es uns ausprobieren. Bitte Mama!" Ich gab mich geschlagen, erledigte die Formalitäten und versprach, den Hund am nächsten Tag wiederzubringen. Aber wie heißt es so schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt ...
Dackelblick
Beim Nachhause fahren zerbreche ich mir den Kopf, wie ich das meinem Mann beibringen soll. Und wie würden die anderen Hündinnen reagieren? Fragen über Fragen. Molly hatte die Antworten sofort parat: Zuhause stieg sie aus dem Auto, erkundete (noch an der Leine) Haus und Hof, verwies meine beiden Hündinnen (4 und 6 Jahre alt) in ihre Schranken und wickelte meinen Mann mit ihrem Dackelblick um den kleinen Finger. Sie benahm sich, als wäre sie immer schon hier zuhause gewesen. Somit war beschlossen: Molly darf bleiben.
„Kinderfreundlich" war sie tatsächlich, sie hing an meinen Töchtern, freute sich über jeden Kinderbesuch, der kam und sie streichelte. Sie war gerne immer der Mittelpunkt des Geschehens. Bei „katzenfreundlich" hingegen bemerkten wir sehr rasch das Gegenteil. Wenn Molly nur von weitem eine Katze sah, wurde sie zum „Jagdhund". Es dauerte einige Monate, bis sie verstand, daß Katzen bei uns Zutritt ins Haus haben und in Ruhe gelassen werden mußten.
Es ist das Herz
Noch in der ersten Woche, in der wir sie aus dem Tierheim geholt hatten, mußten wir zu unserer Tierärztin fahren. Beim Spazierengehen konnte Molly plötzlich nach nur hundert Metern nicht mehr weitergehen und schnaufte ganz fürchterlich. Die Veterinärin meinte, es wäre das Herz und die Dackelhündin würde vermutlich nicht sehr alt werden, aber wir hätten sicher ein gutes Werk getan, sie aus dem Tierheim zu holen. Auf alle Fälle müsse Molly aber abnehmen.
Molly muß schlank werden
Wir kauften Diätfutter, kochten ihr Hühnerfleisch mit Reis und steigerten allmählich die Länge der Spaziergänge. Und siehe da, nachdem sie von ihren 13 kg Lebendgewicht immerhin fast 40% (=5 kg) abgenommen hatte, war sie mit ihren 8 kg plötzlich ein unternehmungslustiger, schlanker und fröhlicher Dackel. Sie liebte die Spaziergänge im Rudel und mit den Kindern, bellte fröhlich, wenn sie etwas in der Nase hatte und eine Spur verfolgte. Sie wurde wieder richtig jung! Drei Jahre hatten wir unsere Freude an ihr, wir liebten sie und sie liebte uns. Sie konnte sich freuen, wenn man ihr etwas erzählte. Da saß sie nur einfach da und hörte aufmerksam zu.
Molly frisst nicht mehr
Aber dann fiel uns auf, daß sie ihre Futterschüssel nicht mehr ganz leer fraß. Wir kochten wieder Diätfutter für sie und es wurde wieder etwas besser. Dann bemerkte ich, daß sie besonders viel trank, die Wasserschüssel war jeden Morgen leer. Schließlich hörte sie auf zu fressen, und trank nur mehr. Die Tierärztin nahm ihr Blut ab und stellte daraus die Diagnosen Diabetes und Nierenversagen. Wir wollten natürlich die Prognose wissen. „Wie lange kann Molly noch etwa leben?" Unsere Tierärztin schüttelte nur traurig den Kopf ... Um Molly weiteres Leiden zu ersparen, haben wir sie noch in der Ordination einschläfern lassen. Ich habe sie auf meinem Schoß gehalten, als sie die Narkose bekam. Sie schlief ganz friedlich ein, „ihre" Menschen um sich.
Ein alter Hund
Wir werden sie immer in lieber Erinnerung behalten, den Dackel, der sich uns als seine Familie ausgesucht hat. Es war uns vergönnt, sie die vier letzten Jahre ihres Lebens zu begleiten. Niemals haben wir es bereut, einen „alten Hund" genommen zu haben. Auch alte Tierheimhunde verdienen eine Chance. Wenn wir heute wieder die Gelegenheit bekommen, daß sich ein alter Hund uns als Familie aussucht, werden wir ihn wieder nehmen und ihm einen schönen Lebensabend bieten. Das ist doch das Mindeste, oder?
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Biblisches Hundealter
Kaum zu glauben, aber die Mischlingshündin Arena ist auf diesem Foto 24 (!) Jahre alt. Die King Charles/Bracken-Edelmischlingshündin ist der älteste Vierbeiner im Rudel von Gräfin Gertrude von Schiel-Preanhof in Groß Siegharts in Niederösterreich. Aufgrund ihres hohen Alters hört Arena bereits sehr schlecht und auch die Augen sind schon schwach. Auch Spaziergänge sind ihr schon zu beschwerlich, doch geht sie gerne im Garten herum.
Gräfin Schiel: „1980 hat Arena vier Einbrecher in Laa an der Thaya gestellt. Mein Mann war damals unfallbedingt bettlägrig. Arena hat die Einbrecher bis zur Festnahme durch die Gendarmerie bewacht."