Eine Hündin als Katzenmutter

Im Alter von nur einem Tag kamen vier Katzenbabys, die von ihrer Mutter verlassen aufgefunden wurden, in die Obhut von meiner Chow-Chow/Golden-Retrieverhündin Laika und mir. Laika war schon immer von Katzen, besonders von unbeholfenen Babys, begeistert. Es war ein berührendes Bild, wie dieser große Hund ein Kätzchen nach dem anderen zwischen seine dicken Pfoten legte und ableckte. Liebevoller betreut konnten die kleinen Fellbündel, die eher einem Maulwurf als einer Katze glichen, nicht aufwachsen.

Nur ein Kätzchen überlebte
Leider währte unsere Familienidylle nicht lange, ein Baby nach dem anderen starb. Nach vielen Tränen geschah aber doch noch ein Wunder: Das letzte der Katzenbabys, das kleine rabenschwarze Katerchen Lucky, entwickelte plötzlich Überlebensgeister, und mittlerweile ist aus ihm ein stattlicher Kerl geworden.
Im Alter von vier Wochen nahm ich ihn zu einem Hundeseminar mit. Die vielen Hunde dort waren für ihn natürlich nichts Furchteinflößendes, da er ja von einer Hündin aufgezogen wurde. Beim ersten stürmischen Kontakt mit Toni, dem Redaktionshund von WUFF, der mit Herrchen ebenfalls am Seminar teilnahm, hatte ich als Frauchen anfangs mehr Bedenken als der kleine Kater selber. Lucky fand alles sehr aufregend und schlief dann nach seinem Fläschchen während der Vorträge satt und zufrieden in meinem Arm ein.

Mama wird´s schon richten
Schon früh wusste Lucky, was eine starke, große „Mutter“ wert ist. Unser großer Garten wurde zu „seinem“ Revier, das er auch schon beharrlich gegen andere Katzen verteidigte. Dumm gelaufen nur, dass diese den kleinen Wichtigtuer gar nicht für voll genommen haben. Sobald er in Bedrängnis geriet und Prügel drohte, kam er daher schnellstens zur Laika gelaufen, die dann gemeinsam mit ihm die andere Katze vertrieb.
Es war ein Bild für Götter, so nach dem Motto: Meine Mama wird´s schon richten.
Die bei Hunden und Katzen unterschiedliche „Sprache“ kennen beide und haben keine Probleme mit der Kommunikation. Nur Bellen konnte Laika dem Kater noch nicht beibringen. Aber das kommt sicherlich irgendwann auch noch …
Lucky kommt trotz Freigängertums zwar auch mit in den Urlaub, geht aber ansonsten seiner Wege; somit kann Laika noch genug Zeit mit mir alleine verbringen und genießt das auch sichtlich. Abends verziehen sich beide oft in trauter Zweisamkeit auf ihre Decke und Lucky kuschelt sich gemütlich an seine große Mama, oft mit einem Pfötchen auf ihrer Pfote. So sicher beschützt lässt es sich schön träumen.

Arbeitsteilung
Diese beiden Tiere lieben sich über alles und sind ein klasse Team, was sich auch bei der zufällig beobachteten Arbeitsteilung der beiden Zigeuner hinsichtlich Futterbeschaffung zeigt. Lucky hatte herausgefunden, dass manchmal Leckerchentüten in der Küche liegen. Er saß (verbotenerweise – aber wen kümmert´s?) auf der Anrichte und zerfledderte eine der besagten Tüten. Auch Laika war schnell zur Stelle. Massenhaft rollten dann die Leckerchen auf den Boden, wo sich Laika begeistert darauf stürzte. Dummerweise waren die Leckerlies nicht Luckys Geschmack, und er kickte sie nur lustlos durch die Küche. Nur Laika hat davon profitiert und fast die gesamte Tüte leer gefressen. Lucky hat sich die ganze Mühe umsonst gemacht, wie ich schadenfroh erkennen konnte. Dumm gelaufen …

Nur mehr mit Hund und Katze
Eigentlich habe ich immer gedacht, ich wäre ein reiner Hundemensch, aber seit dem Einzug von Lucky in mein Herz kann ich mir ein Leben ohne Hund UND Katze nicht mehr vorstellen. Da meine geliebte Laika mit ihren fast elf Jahren nicht mehr die Jüngste ist, hoffe ich, dass mir noch viele schöne gemeinsame Jahre mit ihr und dem Kater bleiben, und genieße jede Sekunde mit ihnen.




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Aus WUFF-Ausgabe 2003-12