Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt…

von Martin Gröger und Gisela Sobotka, Wien

Es ist schon unglaublich, was einem als verantwortungsvoller Hundhalter alles geschehen kann.
Die Vorgeschichte: Meine Lebensgefährtin Gisela wurde im Februar 1997 Besitzerin eines ca. 8 Monate alten Deutschen Schäferhund-Rüden mit Namen Bosco. Wie sich zeigte, war Bosco bis zu diesem Zeitpunkt sicher bei 4-5 anderen (ihr unbekannten) Vorbesitzern gewesen (genaue Anzahl bis dato nicht ermittelbar) und dort sehr schlecht behandelt worden. Er war fast ausgewachsen (Widerrist 50 cm), wog aber nur 24 kg (!) und war schwer krank (Tierarztkosten im ersten halben Jahr ca. 30.000 ATS).
Ich selbst übernahm etwa zum selben Zeitpunkt von einem Bekannten eine DSH-Hündin namens Tina. Nachdem sich Giselas damaliger Partner im August 1997 von ihr trennte (unter anderem Eifersucht auf den Hund) war sie derart verzweifelt, daß sie den Hund hergeben wollte, was ich ihr dann ausreden konnte und irgendwie kamen wir beide und auch unsere Hunde zusammen. Mittlerweile sind wir ein richtiges Rudel.
1997 war Gisela nur halbtags berufstätig, also zumindest entweder Vor- oder Nachmittag bei den Hunden. Da wir uns den Bedürfnissen unserer beiden Hunde sehr wohl bewusst waren und sind, gehört ihnen unsere gesamte Freizeit. Dinge wie am Abend ins Kino oder in die Disco gehen, wurden einfach den Hunden zuliebe gestrichen.

Hundeorientierter Tagesablauf
Seit ca. einem Jahr sind wir beide ganztägig beschäftigt und daher dachten wir, daß wir unseren Tagesablauf zugunsten unserer Hunde ändern sollten, daher heißt es um 5 Uhr „Tagwache“, Gassi gehen (ca. 1 bis 1 1/2 Stunden), Frühstück, Runde mit den Hunden (20-30 Minuten), Arbeit, Mittagspause (Heimfahren-Gassirunde), Arbeit, Heimfahren, Hunde begrüßen-Spielen-Gassi (20-30 Minuten), Futter (Hunde und Menschen), Pause, zwischen 22 und 23 Uhr Runde mit den Hunden (ca 1-2 Stunden), daher zwischen 0 und 1 Uhr „Zapfenstreich“. Das Wochenende gehört zur Gänze den Hunden mit Spielen, Wandern usw. Die Ausstellung in Tulln ist für uns zum Fixtermin geworden, nicht um unsere Hunde auszustellen, sondern die angeschlossene Verkaufsmesse, da wir Wert auf Qualität bei Spielzeug, Halsung usw. legen und gewisse Dinge einfach nur direkt auf der Messe gekauft werden können. Und wir dachten bis jetzt, wir würden unser Möglichstes tun, für unsere beiden zu sorgen und sie artgerecht zu halten.

Im Gemeindebau
Wir wohnen in einem Gemeindebau im 12. Bezirk, Hundezone gleich um’s Eck, Erholungsgebiet Wienerberg zu Fuß in 20 Minuten erreichbar. In diesem Gemeindebau werden noch etwa 25 andere Hunde der verschiedensten Rassen (Westhighland, DSH, Pitbull, Pinscher, Pudelmix usw) gehalten und bis 1999 gab es keine wirklichen Probleme.
Im Herbst des Vorjahres fanden wir an unserer Türe eine Benachrichtigung des Tierschutzvereines, in der uns mitgeteilt wurde, daß gegen uns und unsere Hundehaltung eine Meldung erstattet worden sei und diese, falls wir uns nicht binnen 7 Tagen mit dem Tierschutzinspektor in Verbindung setzten, an Amtstierarzt, Polizei und Staatsanwaltschaft weitergeleitet würde. Ihr könnt es Euch vorstellen, daß wir zu diesem Zeitpunkt von einer so formulierten Benachrichtigung schwer geschockt waren. Die zwei Benachrichtigungen, die der Tierschutzinpektor vorher an der Wohnungstür hinterlassen hatte (harmloser formuliert), sind nie bis zu uns gekommen.

Tierschutzinspektor begutachtet
Selbstverständlich haben wir uns sofort bei dem zuständigen Herrn des Tierschutzvereines gemeldet, am gleichen Tag besuchte er uns und begutachtete die Hunde und wie sie gehalten werden, befand alles als mehr als ausreichend und nach einem längeren Gespräch ging er wieder. Es dauerte keine 14 Tage, da meldete er sich bei uns telefonisch wieder, um uns mitzuteilen, daß beim Tierschutzverein wieder eine Meldung eingegangen sei, er dieser aber nicht nachgehen werde. Zusammengefasst wurden wir beschuldigt, unsere Hunde seien aggressiv, hätten keinen Auslauf, wären unterernährt, wir würden sie nur prügeln. Alles Anschuldigungen, die vom Tierschutzverein überprüft und als gegenstandslos betrachtet wurden.

Alarmglocken läuten
Dann plötzlich erfuhren wir von unserer Hausmeisterin, daß jemand längere Zeit an unserer Tür geläutet und geklopft hätte, sie nachgeschaut hat, weil die Hunde gebellt haben (nicht unverständlich, oder?) und sich der Herr als Amtsperson ausgegeben habe (sie hat ihn nicht richtig verstanden). Nach dem Erlebnis im Vorjahr läuteten bei uns klarer Weise alle Alarmglocken. Also ans Telefon und den Tierschutzverein angerufen - gegen uns liegt nichts vor. Weiter zum Amtstierarzt (Panik - nimmt uns der die Hunde gleich weg?) - Volltreffer! Anschuldigung: So kann man keinen Hund halten! Die beiden Hunde sind zu lange alleine.

Nachbarschaftliche Gemeinheit
Wie wir bereits im Vorjahr herausgekriegt haben, kommt diese Kaisermühlen-Blues-ähnliche nachbarschaftliche Gemeinheit, die uns schlaflose Nächte, Kopf- und Magenschmerzen und sehr viel Stress verursacht hat - ihr werdet es nicht glauben - von einem Hundebesitzer!! Von den Besitzern eines DSH-Rüden, ohne daß es jemals zu irgendwelchen Vorfällen zwischen den beiden Rüden gekommen wäre. Und das wirklich Schlimme an dieser Situation ist, daß man als Hundehalter vollkommen hilflos ist. Gemäß der Aussage der Magistratsabteilung 58 (in Wien zuständig für rechtliche Belange im Tierschutz und der Tierhaltung) können Leute, die es auf einen Hundebesitzer „abgesehen“ haben, dieses Spielchen jeden Monat spielen, ohne daß man eine rechtliche Möglichkeit hat, sich gegen derartige nachbarschaftliche Attacken zu wehren.
Gerade jetzt, wo die Stimmung nicht unbedingt als „pro canis“ bezeichnet werden kann und wir als Hundehalter zusammenhalten sollten, treffen uns solche Dinge, sozusagen „aus den eigenen Reihen“, schon sehr.

Aus WUFF-Ausgabe 2000-09