Happy End für "First Dog" Grolli

Ein wahrer Redaktionstourismus nach Limberg im südlichen Burgenland verhalf dem kleinen Nest an der steirischen Grenze über Nacht zu seltsamer Berühmtheit. Horden von Journalisten und Fotografen pilgerten zum verwaisten Anwesen der nach Argentinien emigrierten Klimas. Grund der fast zweistündigen Fahrt von Wien: Der ebenso verwaiste Kaukasier Grolli. Einst vierbeiniger Star der Hofburg und begehrter fotografischer Aufputz für das Kanzlerpaar, durfte er im vergangenen Herbst nicht mit nach Argentinien übersiedeln. Ruchbar wurde die Zurücklassung des treuherzigen Herdenschutzhundes anläßlich eines Berichtes über das neue Leben der Klimas im Land der Gauchos. Da stand es erstmals schwarz auf weiß nachzulesen. Während für den zweiten Hund von Sonja Klima, den kleinen schwarzen Scottie, bereits ein passender Gefährte angeschafft worden war, mußte Grolli das unbewohnte Limbach´sche Anwesen bewachen. Der Grund der Zurücksetzung stand ebenfalls nachzulesen. Grollis Winterpelz sei dem anbrechenden argentinischen Sommer nicht gewachsen.

Wuff besucht Grolli
Wie es um Grollis Befinden tatsächlich stand, wollten wir nun endlich wissen. Am 19. Februar also setzte sich unsere kleine Delegation, bestehend aus Krone Tierchefin Maggie Entenfellner, Univ. Prof. Dr. Hermann Bubna-Littitz und mir, ins Auto, um dem Kaukasen einen Besuch abzustatten. In Limbach angekommen, galt es erst einmal das Gehöft der Klimas ausfindig zu machen. Im Dorfwirtshaus wurde uns willig Auskunft erteilt und so trafen wir schnell, wen wir gesucht hatten. Einsam tat der grau-weiße Hund seinen trostlosen Dienst und wachte hinter dem hölzernen Einfahrtstor. Eigentlich wachte er weniger als er wartete. Freudig reagierte er auf die Unterbrechung seines wohl eher eintönigen Hundealltags, ließ sich bereitwillig kraulen und tätscheln und steckte uns seine riesige Hundeschnauze durch den Zaun entgegen.
Von Verwahrlosung und verfilztem Fell, wie in manchen Medien reißerisch berichtet, allerdings keine Spur. Sorgen bereitet uns jedoch das entzündete rechte Auge, das nach der fachlichen Auskunft von Prof. Bubna-Littitz einer tierärztlichen Behandlung bedürfe. Wirkliches Kopfzerbrechen verursachte uns der seelische Zustand des Kaukasen. Er schien sich in seiner auferzwungenen Einsiedlerrolle gar nicht wohl zu fühlen und machte einen fast apathischen Eindruck. Er hat sich aufgegeben, konstatierte Tierpsychologe Bubna-Littitz knapp.

Er hat ja die Pferde ...
Kaum eine Viertelstunde vor Ort, meldete sich Besuch an. Eine ortsansässige Dame mit Schlüssel zum Anwesen musterte uns mißtrauisch und hatte wohl wenig Freude an unserem Interesse. Sie war offensichtlich durch unseren Wirtshausbesuch informiert worden. Auf die Frage, ob sich Grolli denn nicht einsam fühle, meinte sie nur lakonisch: „Er hat ja eh die Pferde.“ Den beiden Pferden geht es, um es gleich vorwegzunehmen, auf dem riesigen Gelände des Bauernhofes wirklich ausgezeichnet.
Daß Pferde aber sicherlich kein adäquater Ersatz für menschliche Beziehungen sein können, wollte die Dame nicht gelten lassen. Bezüglich Grollis Augenentzündung verwies sie auf den Herrn Ortsvorsteher, der angeblich jeden Tag vorbeischaue und für tierärztliche Fragen zuständig sei. Anschließend entschwand sie auf dem Weg Richtung Bauernhaus, wo in einer Senke auch Grollis Bleibe, eine massive Hundehütte, zu sehen ist. Der Kaukase zog allerdings trotz mehrmaligem Locken unsere Gesellschaft vor und war nicht vom Tor weg zu bewegen. Erst als wir uns wieder ins Auto gesetzt hatten, trottete er unlustig im Zeitlupentempo den Weg hinauf, um sich dort auf halbem Weg zwischen Haus und Einfahrt im Gras niederzulassen.

Wir wollen helfen
Nun war guter Rat teuer. Auf keinen Fall wollten wir es anderen Medien gleich tun und Klimas Entscheidung als Treulosigkeit verteufeln. Andererseits war es uns ein Anliegen, Grollis Situation zu verbessern, ihm sozusagen wieder Lebensfreude zu schenken. Das wichtigste, was der Kaukasier jetzt brauchte, waren Familienanschluß, menschliche Bezugspersonen und Zuwendung. Vor allem die Idee einer Pflegefamilie, die Grolli das Warten auf Frauchen und Herrchen versüßen sollte, erschien uns als eine ideale Alternative. Bereits am nächsten Tag nahm Maggie Entenfellner Kontakt zu Josef Kalina, dem ehemaligen Pressesprecher des Kanzlers auf, um unsere Mithilfe zu Grollis Wohlbefinden zu deponieren.

Grolli wird Familie Klima nachreisen
Umso freudiger die überraschende Nachricht aus Argentinien: Auf keinen Fall wolle Sonja Klima ihren Grolli fremden Menschen anvertrauen, sondern ihn zum nächstmöglichen Termin in die argentinische Wahlheimat nachfliegen lassen. Der Kronenzeitung war die Zusage aus der Ferne sogar eine Titelseite wert. Schade, daß Grolli nicht Zeitung lesen kann. Wir sind sicher, er hätte sich vor Begeisterung nicht halten können. Der genaue Termin der Übersiedlung stand zu Redaktionsschluß allerdings noch nicht fest. Doch wir hoffen, daß das ersehnte Wiedersehen nicht allzulange auf sich warten läßt. Bis dahin heißt es für den Kaukasen die Zähne fest zusammenbeißen und durchhalten.
Wir wünschen gute Reise, Grolli!

Aus WUFF-Ausgabe 2001-04