Es wird immer seltener, daß Hunde wirklich willkommen sind. Die „Rheintalflug“ lud jedenfalls den Güssinger Rettungshund Geoffrey in die hundefreundliche Alpenregion Bludenz ein, damit er einmal mit seinem Herrchen in den Bergen trainieren und herumtollen kann.
Hundliches Alpen-Camping
Geoffrey ist ein 4-jähriger Hovawart und seit 2 Jahren Mitglied der „Österreichischen Rettungshundebrigade“ / Staffel Güssing im Südburgenland. Güssing: Das bedeutet: Weite Wiesen, Felder, Flächensuche. Doch am „anderen Ende“ Österreichs warten nicht nur Berge, sondern auch ein Campingplatz, dessen Chef auf die tolle Idee kam, Hunde zum „Held der Berge“ zu küren. Mit einem deutschen Hundebesitzer saß also Josef Morik, Besitzer des bekannt hundefreundlichen „Alpencampings Nenzing“ zusammen (über Schnäpse wird nichts erzählt) - und man philosophierte: Die herrlichen Almen (in Vorarlberg „Alpen“ genannt), die schönen Wanderwege, die unendliche Freiheit … Hunde. Bald war man sich einig: Jeder Hund bekommt einen Paß, in dem - je nach Länge und Dauer der Wanderung - Symbole in Knochenform eingestempelt werden. Bei 20 Stempel bekommt der Hund eine Plakette mit dem Aufdruck „Held der Berge“.
Geoffrey wedelte mit der Rute, legte die Pfote auf meinen Schenkel und begann mein Gesicht abzuschlecken, als ich ihm davon erzählte. „Klar doch, Geoff! Machen wir!“ Geoff wechselte in seine Spielposition, streckte die Vorderbeine flach aus, wedelte weiter und schaute herzerbarmend: „Jetzt? Gleich?“ Also ran ans Telefon und die „Rheintalflug“ anrufen. Alles klar! Geoffrey darf als Rettungshund in der Kabine mitfliegen.
Flughafen Wien. Einchecken. Aufruhr. Ein Hund? Ein Rettungshund! Erwachsene, Kinder aller Nationen wollten den Rettungshund streicheln, fotografieren. Sie durften. Geoff lag genüßlich in der Flughafenhalle am Rücken und freute sich.
Hund in der Kabine
Die „Rheintalflug“-Crew begrüßte ihren „Ehrengast“ mit weiteren Streicheleinheiten. OK: Geoffrey ist gewohnt, seine Trainingsflüge mit Militär-Hubschraubern zu absolvieren - aber das „feine Heulen“ eines Düsenjets…..? Alles kein Problem. Die wackelige Alu-Gangway verunsicherte ihn als „Zivil-Hund“ - erst das Rettungshunde-Kommando „Vor“ mit einem Sichtzeichen unterstützt, ließ ihn locker die Stufen hinaufeilen. Im Flieger - wir wurden als erste eingecheckt - ein kurzes Schnüffeln und eine kleine Unterordnung mit „Sitz“, „Platz“, „Kehrt“, „Fuß“. Jetzt wußte er: Noch gibt es keinen Spaß. Noch ist Disziplin angesagt. Er legt sich zu meinen Füßen - scheint ruhig zu schlafen. Diese Stellung hält er während des gesamten Fluges bei.
Petra Führmann, Autorin des erfolgreichen Hundebuchs „Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde“, das bereits in der 2. Auflage gedruckt wird: „Natürlich kann es sein, daß Geoffrey besonders nervenstark und gelassen ist - wahrscheinlicher ist jedoch, daß er in einen „Streßschlaf“ gefallen ist und so die belastende und ungewohnte Situation besser verkraften kann.“
Begegnung mit Kühen
Also raus aus dem Flieger - rauf auf die herrlichen Alpen. Weite,
schier endlose Wiesen. Ein Blick auf die Berge und weit runter in die Täler. Überall klare Bäche. Geoff teufelt wie ein „Irrer“ - wälzt sich - freut sich. Er läuft vor und zurück, umkreist uns, wedelt. Wir, dazu gehört auch Bergführer Pepi vom „Alpencamping“. Pepi ist 83 Jahre - und ein richtiger Bergfex, der Hunde liebt. Seine Geschichten, die er zwischendurch erzählt, sind natürlich legendär. Damals, als er auf der Alpe… als er stets zu Fuß … als er mit seinem Hund … Ein Buch sollte er schreiben, der Gute …
Auf der „Alpe Setsch“ weiden Kühe. Geoffrey geht schier teilnahmslos zwischendurch. Er ist zwar Kühe gewohnt - aber hier? Noch geht Geoff … er beginnt zu „schleichen“ und wechselt in einen leicht tänzelnden Gang macht sich etwas flach - beginnt zu bellen. Ein scharfes „Nein“ und „Hier“ beendet dieses „Spiel“ sofort.
Petra Führmann: „Das hört sich sehr danach an, als ob Geoffrey die Kühe „testen“ wollte - sei es als möglicher Spielpartner oder als potentielles „Opfer“. Wahrscheinlich war ihm die Situation etwas unheimlich und er wollte einfach sehen, ob er mit Kühen in Kontakt treten kann. Hier ist die Gefahr groß, daß das „Spiel“ sehr schnell ins Jagdverhalten kippt. Viele Hundebesitzer erzählen immer wieder, daß ihr Hund mit den Rehen „ja nur spielen wollte“. Ich fürchte sehr, daß sich bei diesem Beispiel die meisten Leute über die wahre Natur ihres Beutegreifers Hund nicht ganz im Klaren sind.“
Unterordnung auf der Almwiese
Die deutsche Hundeschul-Besitzerin Petra hat natürlich recht. Drum wird das Thema „Kuh“ bei der nächsten Begegnung gleich anders angegangen. Träge liegen sie in der Sonne, vertreiben mit dem Schwanz die Fliegen. Geoffrey wird aufmerksam, „spitzt“ (soweit möglich) seine Schlappohren, bekommt seinen „stacksenden“ Gang. Also los mit der Unterordnung! Grundstellung! „Fuß“! Zur Sicherheit ein „Platz“ - kurzes Spiel - Grundstellung. Immer wieder bricht er den Blickkontakt zu mir ab - die Kühe umringen uns staunend. Aber da müssen wir durch. Auch ohne Leine. Beim Gatter, das erst geöffnet werden muß, noch ein „Platz“ - und durch. Geoff scheint nun fast selbst erleichtert, diese letzten 200m geschafft zu haben.
Petra Führmann: „Die offenbare Erleichterung Geoffreys unterstützt die „Theorie“, daß er sich im Grund unwohl gefühlt hat und ihm die Kühe unheimlich waren.“ … und wie zur Erleichterung zischt er Meter zum Hirschsee ab. Rennt ins Wasser - und genießt das herrliche Bad. Raus - rein - raus - rein. Abgebeutelt wird natürlich freudig neben dem Herrchen. Ein wahres Hundeparadies! Die anderen Wanderer lachen, freuen sich, zücken die Fotoapparate … und Geoff rennt durch das flache Wasser, daß es nur so spritzt, wälzt sich in der Wiese … wedelt … springt Herrchen an - Schlapp! - die Zunge über's Gesicht, als würde er sagen wollen: „Chef! Das ist ein Wahnsinn da!“
Keine Listen, keine Zwänge
Vergessen sind die schiefen Blicke in der Stadt, wenn ein „großer, böser, schwarzer Hund“ vorbeigeht. Vergessen sind hier die konfusen Diskussionen über Rassenlisten, Maulkorb- und Leinenzwang. Und vergessen ist der Autolärm, als die Wirtin am „Nenzinger Himmel“ (so heißt die „Alpe“) mit der Zither aufspielt. Da muß doch Geoff gleich auf die Bank springen und dem flinken Fingerspiel zuschauen. Vergessen sind dabei auch die anderen Rüden und Hündinnen, die rundherum liegen sowie die Kühe, die „wie im Film“ vorbeigehen.
Doch noch hat Geoffrey nicht ausreichend „Knochen-Stempel“ in seinem Wander-Paß, um „Held der Berge“ zu werden. Am nächsten Tag geht es „um Höhe zu gewinnen“ mit der Gondel auf den ersten Berg. Bei der „Sonntag-Seilbahn“ stehen viele Leute an. Kinder, die zappeln. Also rauf mit dem Maulkorb - sicher ist sicher. Die Gondel kann schaukeln, ein Kind kann auf den Hund steigen … ein Schnapper … das Kind könnte verletzt werden. Mißtrauische Blicke der Umstehenden. Aber nicht, weil ein Hund mitfährt, sondern weil dessen Herrchen offenbar ein Tierquäler ist und einen Maulkorb überstülpt! Nur ein - deutscher - Touristen-Vater lobt das - selbstverständliche - verantwortungsvolle Handeln.
Maulkorb in der Seilbahn
Hundetrainerin Petra Führmann kommentiert: „In einer solchen Situation ist ein Maulkorb eine sinnvolle Sicherheitsmaßnahme. Gerade in einer Seilbahn können mehrere belastende Faktoren zusammenkommen: Neben dem Schaukeln natürlich das Gedränge, aufgeregt rufende Kinder, ein versehentlicher Tritt auf den Schwanz. Hier ist ein kurzes Drohschnappen auch bei einem ansonsten sicheren Hund im Rahmen der Möglichkeiten. Natürlich muß der Hund vorher an einen (am besten leichten Plastik-)Maulkorb gewöhnt werden, sonst ist der Maulkorb ein weiterer Streßfaktor.“
Doch oben über der Baumgrenze darf er wieder frei laufen. Kinder laufen mit Geoffrey. Erwachsene freuen sich. Geoff freut sich. Man sieht es ihm wirklich an. Keck sitzt er immer wieder ein paar Meter vor uns. Den Fang offen. Die Zunge hängt heraus. Die Ohren leicht angehoben. Der Schwanz klopft am Alm-Boden. Devise: Pfahhh! Das macht Spaß! Warum lauft ihr nicht auch auf und ab?!“ Und schon „hüpft“ er wieder seine Kreise - wälzt sich - springt, wie ein „Gaßbock“ - kommt zu uns - springt in einen Wassertrog - erfrischt sich in einem Bach … freut sich.
Held der Berge
Und dann kommt der „Ernst“ der Sache: Geoffrey bekommt von Josef Morik und seiner Nichte Michaela die Plakette umgehängt. Ganz offiziell. Geoffrey ist nun „Held der Berge“. Mit einem „Schlapp“ über's Gesicht von Josef bedankt sich der neue „Held“ und schielt bereits auf die junge Mischlings-Dame, die da beim Eingang der gemütlichen Stube liegt.
Klar doch, daß Geoff von der Crew der „Rheintalflug“ als neuer „Held“ begrüßt wurde. Alle standen auf der Gangway, um ihren „Ehrengast“ zu begrüssen und zu knuddeln. Sogar ins Cockpit durfte Geoff und von TV-Pater Paterno, der ebenfalls an Bord war, gab's noch Streicheleinheiten …
>>> WUFF - INFORMATION
- Hundebuch-Autorin Petra Führmann hat eine Homepage mit einem eigenen Verhaltens-Beratungs-Forum: www.hundeschule-ab.de
- Alles über hundefreundliche Quartiere und hunderte Kilometer Wanderwege in der Alpenregion Bludenz erfährt man unter: www.alpenregion.at (Telefon: A-05552/30227). Es werden vom Tourismusverband natürlich auch individuelle Touren zusammengestellt - vom 4-Stern-Hotel „Schloßhotel“ in Bludenz bis zu Hütten-Übernachtungen. Hunde können überall in Gondeln mitfahren und sind in allen Hotels und Restaurants gern gesehen Gäste.
- Über den Campingplatz Nenzing - also jene, die die „Held der Berge“-Touren organisieren, kann man unter www.alpencamping.at nachlesen (Telefon: A-05525/635676)
- Über die Transportbestimmungen für Haustiere sowie alle Preise kann man sich direkt bei der Rheintalflug unter www.rheintalflug.at informieren (Telefon: 0800/488000 - zum Ortstarif).
- Generell: Hunde bis 5kg Gewicht können in der Kabine in einer Tragtasche mitgenommen werden (Preis: pauschal ÖS 400.--). Größere Hunde müssen in eine Flugbox (ausgenommen Blindenhunde und Rettungshunde). Der Flugpreis richtet sich nach dem Gewicht des Hundes / ÖS 40.-- pro Kilo (Blindenhunde gratis). Zeitgerecht (mindestens 1 Woche davor) anmelden! Es darf maximal 1 Hund in der Kabine und 1 Hund im Frachtraum transportiert werden. „Rheintalflug“ nimmt auch gerne Hunde (Haustiere) zu den anderen Destinationen, wie z.B. Hamburg/Nordsee, Elba, Sardinien mit.
Tipps fürs Fliegen mit Hund
Wichtig! Vor dem Flug mit dem Hund ausgiebigst spazieren/laufen gehen. Hund zeitgerecht an eine Flugbox gewöhnen! „Schmusedecke“ in die Box legen. Bei Beruhigungsmitteln aufpassen: Medikamente wirken in der Höhe 3x so stark wie am Boden. Viele Beruhigungsmittel gehen auf das Gehör des Hundes. D.h: Sie empfinden den Lärm viel stärker als ohne solche Mittel. Auf kurzen Flügen (55 Minuten Wien - Vorarlberg) sind Medikamente daher kaum notwendig. Vorteil bei „Rheintalflug“: Kurze Flugzeiten (Training für längere Flüge?). Kein Umsteigen. Man kann den Hund bis zum Einsteigen betreuen und sofort nach der Landung wieder in Empfang nehmen. Auf Impfungen nicht vergessen! Die Flugplätze für Vorarlberg liegen grenznah in Deutschland bzw. der Schweiz.