Die Pflege des Hundes diene – neben dem eigentlichen Zweck – auch der „Pflege“ der Beziehung zum eigenen Vierbeiner. Das ist zumindest eine gängige Ansicht von Hundeexperten. Für Rosemarie Lüsebring aus Lehe bei Friedrichstadt (Schleswig-Holstein) hat die Pflege ihres 10-jährigen Chow Chows Ruby aber noch einen weiteren Sinn: Die Gewinnung von Rohmaterial für Pullover, Schals und Handschuhe aus flauschiger Wolle.
So geht´s
Etwa zweimal pro Woche kämmt die Hundefreundin ihren wolligen Rüden. „Sonst würde sein Fell verfilzen“. Pro Sitzung gewinnt Frau Lüsebring im Durchschnitt etwa eine Handvoll Hundehaare aus der Unterwolle ihres Vierbeiners. Im Herbst und im Frühjahr, wenn Ruby haart, ist es sogar bedeutend mehr. Ist ausreichend Material vorhanden, werden die „geernteten“ Chow Chow-Büschel zunächst fest „kardiert“. Dabei wird die Wolle aufgeraut und in eine Richtung gebürstet! Grundsätzlich entspricht die weitere Verarbeitung der von normaler Schafswolle. Daher geht es nun ans Spinnrad, wo Frau Lüsebring aus den Chow Chow-Haaren einen feinen Faden spinnt. Aus der Wolle entstehen dann Pullover, Jacken, Mützen und andere Kleidungsstücke.
Chow Chow-Fans
Lüsebrings sind echte Chow Chow Fans. Seit 45 Jahren leben sie mit Hunden dieser Rasse. Rosemarie brachte ihren ersten Chow Chow sozusagen gleich in die Ehe mit und konnte Ehemann Theodor Lüsebring offensichtlich nicht nur für sich, sondern auch für ihre Lieblingsrasse begeistern. Bisher waren es vier Hündinnen, zwei schwarze und zwei rote. Ruby ist der erste Rüde. Die Wolle ihrer Vierbeiner hat Frau Lüsebring immer schon verarbeitet und besitzt daher schöne Erinnerungsstücke an ihre Lieblinge, die sich bereits im Hundehimmel befinden.
Dennoch – bei der Wolle gibt es dann schon auch mal „Seitensprünge“, denn neben Rubys Unterwolle wurden bisher auch Haare eines Weißen Schäferhundes und eines Huskys verarbeitet. Auch Schafswolle wurde gelegentlich beigemischt. Die Hundewolle gibt den selbst gestrickten Kleidungsstücken von Frau Lüsebring einen unverwechselbaren Charakter. Die ungewöhnliche Farbe und die besondere Flauschigkeit begeistern jeden.
Bevor Sie sich nun – mit Kamm und Bürste bewaffnet – auf Ihren Hund stürzen, bedenken Sie bitte, dass nicht jeder Hund als „Woll-Lieferant“ geeignet ist. In erster Linie sind es Hunde mit viel Unterwolle, wie eben Chow Chows, Bobtails und andere mit längerem Haarkleid. Weiters brauchen Sie neben Ausrüstung und Können auch jede Menge Geduld. Denn nur um möglichst rasch zu seinem eigenen Hundewollepullover zu kommen, sollte man dem armen Tier nicht unnötig alle Haare ausrupfen …