Hunde in der City

Glücklicher am Land als in der Stadt?

Es kommt meiner Meinung nach nicht darauf an, wo ich lebe, sondern nur darauf, wieviel Zeit ich mir für meine Hunde nehme. Die Bedürfnisse für ein Tier sind überall gleich, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Es liegt nur am Menschen selbst, was er daraus macht.

Draussen bei jedem Wetter
Ich hatte damals eine kleine Wohnung mit 47qm in Wien, außerdem zwei kleine Kinder und als neues Mitglied meiner Familie eine Deutsche Schäferhündin namens Sheila. Sie war eine absolut entzückende, verspielte und gelehrige Hundedame. Da sich in meiner Umgebung (11. Bezirk in Wien) der Laaerberg befindet, waren wir natürlich überwiegend dort anzutreffen. Am Vormittag, egal ob Winter oder Sommer, Regen oder Sonne, waren wir auf ungefähr drei Stunden dort zum Spielen und Toben. Das tat natürlich nicht nur meiner Hündin gut, sondern auch meinen Kindern. Zu Mittag waren wir dann meist wieder zuhause.
Am Nachmittag machten wir meistens die Einkäufe und nach Möglichkeit war auch Sheila immer dabei. Abends war es dann so, daß ich in den Park ging, nachdem meine Kinder schliefen. Dort traf ich mich mit anderen Hundebesitzern und Sheila durfte nach Herzenslust spielen und toben. Mit der Zeit interessierte ich mich für „Hundearbeit“ und ich versuchte mich bald mit Sheila in der Unterordnung. Sie war da sehr gelehrig. Was sie aber überhaupt nicht mochte, war Fährtenarbeit. Sie sah ganz einfach nicht ein, warum sie nur auf einer von mir bestimmten Route schnüffeln durfte. Da ich keinen Hund mit Gewalt zu etwas zwingen möchte, mich aber Hundesport sehr interessierte, überdachte ich die Möglichkeit eines Zweithundes. Nach einer Weile gab es Aussicht auf einen Welpen, aber ich hatte die Rechnung ohne Sheila gemacht. Ich war eindeutig ihr Frauchen und da fuhr die Eisenbahn drüber, komme was wolle und schon gar nicht so ein kleiner Welpe. O.K., dieses Thema konnte ich für’s erste abhacken.

Ein Hund zum Arbeiten
Ein Bekannter von mir meinte schließlich, ich solle Sheila decken lassen und dann einen ihrer Welpen behalten. Nach einigen Überlegungen und Untersuchungen war es dann soweit: Sheila wurde Mutter und zwar eine sehr liebe und glückliche. Die ersten Wochen war sie mit ihren Welpen bei mir in der Wohnung und im Anschluß bei Bekannten im Haus mit Garten. Nachdem Sheila achtfache Mutter geworden war, mußten nun Besitzer für sieben Schäferwelpen gefunden werden. Ich glaube, wir haben es da nicht schlecht getroffen. Bei mir ist dann ein schwarzer Rüde geblieben, der auch heute noch (mittlerweile 10 Jahre) auf den Namen Alegro, kurz Ali, hört.

Spielerisch lernen
Ali war der Hund zum „Arbeiten“ und glücklich, wenn ich ihn so richtig forderte. Er lernte im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch. Eine Freundin von mir aus Vorarlberg, die zwei Jahre bei mir gewohnt hatte, hat sich Alis Schwester Lady behalten und es gab auch in der Wohnung damit niemals Probleme, da wir untertags bzw. abends sehr viel mit dem Hundetrio unterwegs waren. Wir entschieden uns dann, mit unseren Dreien etwas Sinnvolleres zu tun und erkundigten uns nach der Ausbildung zum Rettungshund. Tja, so kam es, daß wir dann ca. jedes zweite Wochenende zwecks Training im Freien mit Zelt und Lagerfeuerstimmung, aber auch mit harter Hunde- bzw. Hundeführerarbeit verbrachten. Obwohl Sheila nicht direkt zum Rettungshund ausgebildet wurde, war sie immer mit dabei und durfte in den Trainingspausen mit den anderen Hunden spielen.

3 Hunde auf 57 Quadratmeter
Wie anfangs erwähnt, war meine Wohnung ja nicht sonderlich groß und dennoch merkte man überhaupt nicht, daß hier drei große Hunde lebten, denn da schliefen sie meistens oder balgten liegend miteinander. Meine Freundin ist dann wieder nach Vorarlberg zurückgezogen und nahm natürlich ihre Hündin mit. Einige Zeit später zog dann mein jetziger Ehemann bei mir ein, er teilte von Anfang an meine Interessen, da er ja auch ein Kollege von der Rettungshundeorganisation war. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon eine etwas größere Wohnung mit 57 qm, die aber jetzt endgültig zu klein wurde, weil auch mein Mann einen damals minderjährigen Sohn mitbrachte. Nach einem Jahr begannen wir uns nach einem Haus auf Miete umzusehen und fanden dieses auch.

Trauriger Abschied
Kurz nach dem Umzug wurde Sheila dann leider schwer krank. Sie litt an Schrumpfnieren und hatte Tumore am ganzen Körper. Wir mußten sie mit 8 Jahren einschläfern lassen und für mich war es, als hätte man mir sämtliche Wärme aus meinem Herz gezogen. Ali hatte keine Probleme als Einzelhund, konnte er uns doch jetzt für sich alleine haben. Da hatte ich schon eher ein Problem mit ihm. Er konnte mit meinem Mann beim Schmusen ganz zärtlich sein, aber da ich der Rudelführer war, mußte ich auch beim Schmusen einiges vertragen. Nach einigen Tagen hatte ich überall blaue Flecken von Alis Liebesbeweisen und ich entschied mich, wieder eine Hündin zu wollen. Dies auch, weil ich hoffte, den Schmerz um Sheilas Tod leichter zu überwinden. Nur eines war für mich von Anfang klar: Keine Schäferhündin mehr. Erstens hatte ich Angst, sie mit Sheila zu vergleichen, und zweitens gefielen mir die Schäferhunde mit ihrem abfallenden Rücken und den bekannten daraus resultierenden Problemen nicht mehr.
Eine Woche nach Sheilas Tod fand in Tulln eine internationale Hundeausstellung statt und wir haben uns dort mit einigen Bekannten getroffen.

Ein G’schau zum Herzerweichen
Einer unserer Freunde hatte unter anderem eine Amerikanische Akita Inu Hündin und so lernten wir dort auch deren Züchter kennen. Ich habe die Hunde zwar gesehen, aber am liebsten hätte ich bei jedem Schäferhund auf dieser Ausstellung, der meiner Sheila nur im entferntesten ähnlich sah, geheult. Also habe ich die Amerikanischen Akita Inus nicht wirklich mitbekommen. Im Dezember rief mich unser Freund dann an und fragte mich, ob ich eine Akita Hündin haben möchte. Seine Züchterin hätte noch eine ganz liebe über. Ich überlegte kurz und sagte zu, daß ich sie mir einmal anschauen möchte. So fuhren wir am nächsten Tag zu den Züchtern nach Wels. Dort lernte ich Debora kennen, fünf Monate jung und ein G’schau zum Herzerweichen. Natürlich ist sie dann mit uns nach Hause mitgefahren und wurde bald zum zweiten neuen Mittelpunkt der Familie.

Grösse kein Unterschied

Alegro hat sie von Anfang an akzeptiert und wurde bald ein Herz und eine Seele mit ihr. Dann kam es, daß ich sogar begann, mit Debora auf Ausstellungen zu gehen, wo ich mit ihr schöne Bewertungen bekam. So fassten wir schliesslich den Gedanken der Zucht ins Auge und erwarben zu diesem Zweck schließlich einen alten Bauernhof. Nun sollte man denken, 1600 qm Grund sind ein Eldorado für zwei Hunde! Denkste - sie sind immer nur um uns herum. Sind wir drinnen, sind sie es auch und sind wir draussen, sind auch sie es. Für meine Hunde macht es also keinen Unterschied, ob sie in meiner kleinen Wohnung neben der Bank liegen und schlafen, oder ob sie dies jetzt im Haus mit dem riesigen Wohnzimmer tun.

Gefahr durch Jäger
Genauso wie in Wien, als ich in der kleinen Wohnung lebte, muß ich jeden Tag mit den Hunden raus und etwas unternehmen. Freilaufen im Wald gibt es auch nur immer mit der Gefahr des Jägers im Rücken, den es z.B. in Wien nicht gibt, denn der Laaerberg ist zur Hundezone erklärt worden. Mittlerweile haben wir schon vier Hunde, da wir uns einen weiteren Rüden und eine Hündin aus Deboras Wurf behalten haben.

Auf die Zeit kommt’s an
Wenn ich mir meine Hunde jetzt so anschaue, könnte ich nicht sagen, wo sie glücklicher waren. In Wien oder jetzt in Bad Deutsch Altenburg. Es kommt meiner Meinung nach nicht darauf an, wo ich lebe, sondern nur darauf, wieviel Zeit ich mir für meine Hunde nehme und auf welches Fernsehprogramm ich dafür zu verzichten bereit bin. Auch Berufstätigkeit macht ihnen nichts aus, wenn man sich abends für seine Vierbeiner genug Zeit nimmt und auch die Wochenenden so plant, daß sie nicht zu kurz kommen. Wenn man jetzt alle Hundebesitzer aus der Stadt auf das Land verbannen würde, wären die Hunde auch nicht glücklicher oder unglücklicher. Denn nicht die Örtlichkeit macht’s aus, sondern der Mensch. Einer, der sich ab 20 Uhr 15 jeden Film anschauen muß, der geht auch am Land nicht länger mit seinem Hund spazieren.

Dort wo das Rudel ist
Wenn wir unsere Hunde aus irgendeinem Grund mal in den Garten verbannen, dann spielen und toben sie gerade mal die ersten 15 Minuten und dann sitzen sie vor der Tür und wollen dorthin, wo der Rest der Familie ist, zu der sie gehören. Ali startet dann oft auch ein lautes Gebell, bis die Tür aufgeht. Die Bedürfnisse für ein Tier sind überall gleich, egal ob in der Stadt oder auf dem Land Es liegt nur am Menschen selbst, was er daraus macht.

P.S. Natürlich könnt Ihr mir auch schreiben, wenn Ihr etwas über unsere vier noch wissen möchtet. Heger Susanne, Sulzgasse 7, A-2405 Bad Deutsch Altenburg.



>>> WUFF - INFORMATION


Ein rundherum glücklicher Hund

Ich heiße Harras, bin ein großer Deutscher Schäferhund, fast 3 Jahre alt und wohne auf dem Land in einem großen Garten mit Haus und meiner Familie. Ich bin der Liebling von allen. Nur ganz selten muß ich allein bleiben und sehr oft geht einer mit mir spazieren. Für mein Leben gerne fahre ich mit dem Auto. Ich bin ein rundherum glücklicher Hund.

Apfelstrudel & Reisauflauf
Mein Vorgänger im Rudel war auch ein Deutscher Schäferhund - damals wohnte meine Familie noch in der Stadt. Der erste Schäfer hieß auch Harras und war etwas rundlich, was ich nicht bin. Das kam aber nicht dadurch, daß er weniger spazieren gegangen ist, sondern an unserem Opa und unserer Oma und deren Apfelstrudel ... Er war ganz wild auf Apfelstrudel und Reisauflauf. Damals gingen Oma und Opa viel mit ihm spazieren. Stundenlang! Jeden Tag waren sie bei ihm und er wurde vergöttert. So war auch mein Vorgänger ein rundherum glücklicher Hund, er besaß eine große Familie und alle liebten ihn sehr.
So muß ich sagen, daß es prinzipiell egal ist, ob man auf dem Land oder in der Stadt wohnt. Es ist nur wichtig, daß man eine Familie (Rudel) um sich hat, die sich mit einem beschäftigt! Ach ja, ich habe einige Hunde-Kumpels auf dem Land, die sicher nicht soviel Bewegung bekommen, wie Hunde in der Stadt!
Monika Maier, A-5131 Franking

Aus WUFF-Ausgabe 2000-03