"Es funktioniert super!“, meint Silke Paumann aus Wien auf die Frage nach dem Zusammenleben von Katze und Hund. „Als meine Katze gut zwei Jahre alt war, kam Askan, ein 12 Wochen alter Welpe, dazu – eine Steirische Rauhaarige Hochgebirgsbracke. Das war vor rund 7 Jahren. Seither liegen beide tagsüber zusammen auf dem Bett, und die Katze frisst zusätzlich zu ihrem eigenen Futter (das entsprechend reduziert wird) aus dem Hundenapf mit. Und interessanterweise haben die beiden gelernt, die Körpersprache des anderen richtig zu lesen.“ In diesen wenigen Sätzen hat Silke bereits viel zusammengefasst, was Thema ist in Sachen Hund und Katz´. Wie gewöhnt man den Neuankömmling an den Eingesessenen? Was ist, wenn Minki das Futter des Hundes frisst – und umgekehrt? Ist meine Katze auf mich eifersüchtig, wenn ich mich mit meinem Hund beschäftige? Hund und Katze verstehen sich doch nicht. – Oder etwa doch? In den kommenden WUFF-Ausgaben wollen wir auf die verschiedenen Aspekte dieser Dreiecksbeziehung zwischen Mensch, Hund und Katze eingehen – und hoffen dabei auch auf rege WUFF-Leserbeteiligung.
Wie Hund und Katz’
„Die sind wie Hund und Katze“ soll aussagen, dass sich zwei Individuen absolut nicht vertragen. Das Sprichwort klingt so apodiktisch, dass man meint, es sei einfach schicksalhaft, dass Hunde und Katzen sich nicht vertragen. Und tatsächlich gibt es ja einige grundlegende Unterschiede zwischen diesen beiden Tierarten. Der Hund ist beispielsweise tagaktiv, die Katze liebt eher die Nacht. Während beide zwar dieselben Ausdrucksmittel wie Ohren und Schwanz benutzen, sprechen sie damit aber eine unterschiedliche (Körper)Sprache.
Wer kennt es nicht, das unruhige Hin und Her des hochgerichteten Katzenschwanzes, wenn der Stubentiger ärgerlich ist und jeden Moment zu fauchen und kratzen beginnen möchte, während Hund mit einem freundlichen Schwanzwedeln in Kombination mit einem nach unten geneigten Vorderteil freundliche Spielbereitschaft signalisiert? Wie sollte es da nicht zu Missverständnissen kommen?
Einander verstehen lernen
Doch scheint es tatsächlich so zu sein, dass Hund wie Katz´ lernen, was das jeweilige Körpersignal des anderen bedeutet. Das ist ja auch die eindeutige Aussage der eingangs zitierten Silke.
Wie kommt es nun, dass manche Katzen schnurrend sich am Hund reiben, während andere beim Anblick Bellos die Flucht ergreifen oder sich aggressiv dem vermeintlichen Feind stellen? Die Gründe dafür sind sicherlich mannigfaltig. Am naheliegendsten ist es, die Vergangenheit als Erklärung heranzuziehen, d.h. diese Reaktion der Katze auf frühere, unersprießlich verlaufene Begegnungen dieser Art zurückzuführen. Dass schlechte Erfahrungen ein – wie man´s nimmt guter oder schlechter – Lehrmeister sind, ist ja auch einsichtig. Und zugleich liegt hier des Pudels Kern zur Lösung dort, wo man noch die Möglichkeit hat, derartige Erfahrungen von Hund und Katze zu beeinflussen. Junge Hundewelpen oder junge Kätzchen mit Exemplaren der jeweils anderen Art in einer angenehmen und sanften Weise zusammenzubringen und somit den Erwerb positiver Erfahrungen zu stimulieren, ist eine sehr effektvolle Vorbereitung für einen späteren problemlosen zwischenartlichen Umgang.
Hat man diese Möglichkeit nicht, gibt es immer noch einige Tipps, Wuffi und Minki aneinander zu gewöhnen. Wenn sie schon nicht dicke Freunde werden können, sollten sie zumindest stressfrei im gemeinsamen Haushalt koexistieren.
Das ältere Hausrecht
Daher sind nun die jeweils anderen Umstände zu berücksichtigen, wie etwa das ältere „Hausrecht“ (kommt der Hund zu einer präexistenten Katze, oder umgekehrt?) oder das Wesen der Tiere (eher sanftmütig oder sehr stürmisch usw.), aber auch, wie sich der Mensch in dieser Beziehung verhält. Während der Hund diese „Dreiecks-“ oder auch „Mehrecksgeschichte“ als Gesamtrudel auffasst und sich vom Menschen als dessen Chef daher durchaus belehren lässt (lassen sollte), benötigt die Katze einen größeren psychologischen (und auch physikalischen) Freiraum, bis das Verhältnis geklärt ist.
Zeit und Raum geben!
Ganz wichtig ist die erste Begegnung der beiden in einer vom Tierbesitzer kontrollierten Umgebung, in der alles berücksichtigt wird, was man vom Temperament und den Eigenheiten der Tiere weiß. Wenn etwa der Hund ganz besonders wild und daher zu erwarten ist, dass er auf die Katze losstürmt, dann sollten Sie ihn ruhig halten – sei es durch ein „Platz“ oder „Sitz“, nötigenfalls auch durch eine Leine. Und, ganz wichtig und entscheidend: Lassen Sie sich – sowie dem Hund und der Katze – Zeit und Raum für das gegenseitige Kennenlernen!
Mehr über das Dreiecksverhältnis von Mensch, Hund & Katz’ im nächsten WUFF!
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Liebe auf den zweiten Blick …
Im Dezember des Vorjahres kam der kleine Kater Paulchen ins Haus von Joana Jonientz und ihrem Freund aus Solingen. Dazu gehörte auch der inzwischen 8 Monate alte Australian Shepherd Floyd, der von dem Neuankömmling ziemlich angetan war. Nein, nicht im Sinne eines neuen Freundes, sondern mehr als „Spielzeug“, wie Frauchen mitteilte, gar als etwas, was man annagen oder beißen kann. Kater Paulchen fand dies naturgemäß gar nicht gut. Und so kam, was kommen musste: Er hatte Angst vorm großen Hund. Aus der sicheren Höhe seines Kratzbaumes beobachtete er das vierbeinige „Monster“ drei Tage lang. Die beiden wurden nie unbeaufsichtigt gelassen, und für Paulchen wurde gut gesorgt: Futter und Wasser waren auf dem sicheren Kratzbaum platziert, und selbst die Katzentoilette war in unmittelbare Nähe. Die frisch gebackene Katzenmutter Frau Jonientz zu WUFF: „Mein Freund und ich versuchten ganz vorsichtig uns mit den beiden zu beschäftigen. Kater sollte sich ja bei uns wohl fühlen und Hund sollte ja nicht Grund zur Eifersucht haben“. Und dann am vierten Tag passierte es. Als man schon am Projekt „Hund und Katze in friedlicher Eintracht“ zweifelte, kletterte Paulchen von seinem Katzenbaum und landete vor Floyds Nase – und ließ sich beschnuppern. Frauchen stockte der Atem. Aber: „Die zwei verhielten sich sehr friedlich, und ab diesem Tag baute Paulchen immer mehr Vertrauen zur Floyd auf. Und es dauerte nicht lange, schon lagen die zwei nebeneinander und dann später miteinander auf dem Sofa“. Mittlerweile ist die Situation so, dass der Kater für den Hund Teil des Rudels ist. Und dieses hat sich mittlerweile weiter vergrößert – ein neuer Welpe ist im Haus: Hermine, eine Australian Shepherd Dame. Frau Jonientz: „Da der Kater schon integriertes Familienmitglied war, als sie kam, war das überhaupt kein Problem. Kater zeigte ihr den Platz im Rudel – noch bildet sie das Schlusslicht! Und so haben wir eine lustige Truppe zu Hause, zwei Hunde und einen Kater, der sich übrigens fast wie ein Hund benimmt!“