Mensch und Hund: Erfolgreiche "artüber­greifende Kommunikation"

Wie im ersten Teil dieses Beitrags zur ­„artübergreifenden Kommunikation“ dargestellt, nimmt die ­Kommunikation unter Hunden über das Ausdrucksverhalten einen hervorragenden Stellenwert ein. Nur über das präzise Beobachten und richtige Deuten des hochdifferenzierten Kommunikations­repertoires von Hunden – dazu gehört auch ihre Vokalisation – kann eine artübergreifende Kommunikation zwischen Mensch und Hund überhaupt gelingen.

Hunde und Wölfe sind hoch­soziale Lebewesen, bei denen Kommunikation und sozio-positive Bindungen einen  häufig unterschätzten Stellenwert einnehmen. Zusammenhalt im Rudel und  freundschaftliche Beziehungen werden ausgiebig über Beziehungspflege, z. B. Sozialspiel, über gegenseitige Fellpflege, Kontaktliegen oder Schnauzenzärtlichkeiten ausgeführt. Das ist für die physische und psychische Gesundheit der Tiere von großer Bedeutung (vergl. Dorit Feddersen-Petersen).

Das Kommunikationsrepertoire wird bei einer gesunden Entwicklung von Hunden ein Leben lang immer wieder geübt, seien es Formen des ­Imponierens, der ­kämpferischen ­(agonistischen) ­Auseinandersetzung oder des Sozialspiels. Wie im ersten Teil des ­Beitrags zur „artübergreifen­den Kommunikation“ ­dargestellt (WUFF 7/2011), nimmt die Kommunikation unter Hunden über das Ausdrucksverhalten einen hervorragenden Stellenwert ein. Nur über das präzise Beobachten und richtige Deuten des...

Sie sind noch nicht als Abonnent freigeschaltet und können daher noch nicht den gesamten Artikel lesen.

Login

Dieser Artikel ist nur für WUFF-Online-Abonnenten oder Heft-Abonnenten in voller Länge lesbar. Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich.
 

Autor dieses Artikels:

Dr. Barbara Wardeck-Mohr

Weitere Artikel aus WUFF 2011|09

Hier finden Sie weitere Artikel aus diesem Heft:
[mehr]

Hintergrund

Hundebeißvorfälle und ihre ­Ursachen

Wesentliche Ursachen und Zusammenhänge von Hundebeißunfällen.

 1. Beißen aufgrund normalen ­physiologischen Verhaltens, z.B. ­maternale  ­Verteidigungsaggression der eigenen Welpen.

 2. Pathologische Zusammenhänge, wie  z.B. hormonelle Dysfunktion, Schmerzen oder auch erworbene Angst- oder Verhaltensstörungen.

 3. Qual-Zuchtselektionen: z. B. Fellfarben können auch Einfluss auf Verhalten bzw. Verhaltensstörungen haben; ebenso Zucht­selektionen zur Neotenie (Kindchen-Schema nach Konrad Lorenz), d. h. extrem flachgezüchtete Nase, große flachliegende Augen, wie z. B. bei Möpsen, mit der Folge von Kommunikationsmissverständnissen mit anderen Hunden durch ein eingeschränktes Kommunikationsrepertoire. Dies gilt auch bei kupierten Ruten.

 4. Zu früher Verkauf von Welpen und damit entzogene Möglichkeit, das Kommunikationsrepertoire / Ausdrucksverhalten in der Hundefamilie differenziert zu erlernen. Damit beraubt man Junghunde ihrer notwendigen Lebensschule!

 5. Isolationshaltung und/oder Deprivation (Reizentzug); gestörte Junghundeentwicklung (Hunde isoliert im Heizungskeller halten! Dies ist hochgradig tierschutzrelevant!)

 6. Angststörungen, Neurosen; er­lebtes Trauma eines Hundes (anschließend  Konfrontation mit vergleichbarer Situation)

 7. Gewalttätige Haltungs- und Ausbildungsmethoden, wie z. B. über „Teletakt“, „Spray-Kommander“ (alles strafrechtlich relevant!), Kommunikationsfehler, wie z.B. körperliche Disziplinierung, An­starren, Anschreien.

 8.  In Konfliktsituationen mit anderen Hunden hilflos herumstehen, zu spät oder in ungeeigneter Form einschreiten; den fremden Hund oder dessen Halter (mit offensiver Körpersprache) anschreien.

 9. Stress-Symptome des Hundes ignorieren, „Nicht-Kennen“  bzw. „Nicht-Beachten“ der ­individuellen Stresstoleranz eines Tieres; dem Hund (für ihn nicht ­tolerierbare) Distanzunterschreitungen zu­muten.

10. Unbeaufsichtigt Kinder mit ­Hunden allein lassen; fahrlässig zusehen, wie Kinder im Gesicht des ­Hundes ­„herumfuhrwerken“, ihn am Schwanz ziehen oder den Hund „mit einem Spielzeug verwechseln“ und alles „ganz normal finden“.

Quellen

Im Artikel zitierte Quellen:

  • Dorit Feddersen-Petersen: ­Ausdrucksverhalten beim Hund, Franckh-Kosmos-Verlags GmbH  2008
  • Dorit Feddersen-Petersen, Hundespychologie – Sozialverhalten, Emotionen und Indiviadalität, Franckh-Kosmos, 4. Aufl. 2004
  • Immanuel Birmelin, Schlauer Hund – so fördern Sie was in ihm steckt, Gräfe und Unzer, 2. Aufl. 2007
  • Eva Heidenberger, Der unverstandene Hund, Weltbild 2005
  • Rupert Sheldrake, Der siebente Sinn der Tiere, Weltbild 2006
  • David Mech, Alpha-Status, Dominanz und Arbeitsteilung im Wolfsrudel (Essay: Canis lupus 1999)
  • Juliane Kaminski & Juliane Bräuer, Der kluge  Hund - wie sie ihn verstehen, Rowohlt 2006
  • Sabine Schroll & Joel Dehasse, Verhaltensmedizin beim Hund- Leitsymptome, Diagnostik, ­Therapie, Enke 2007