Mit Hunden, Bier aus Hessen und Wein aus Niederösterreich …

„Wuffstock“

Wer mit Hunden lebt und im Internet surft, kommt bald drauf: Es gibt unzählige Diskussions-Foren, Newsgroups, Mailinglisten, in denen über Hunde geplaudert wird. Oft entstehen dadurch persönliche Mail-Freundschaften oder gar private gegenseitige Besuche.
Und so dachte einst Maico Schulz, ein extrem umtriebiger „Outdoorler“, Kälte-Fetischist und Winter-Wanderer in Lappland, man könnte doch mit Freunden und Hunden im Sommer den Geburtstag seiner Husky-Hündin Aisha feiern. Sie freut sich ebenso über Gastgeschenke wie Zweithund Leonid und nun auch Dritthund Rumsfield aus Rumänien.

Vier Tage durchfeiern
Mitten in Hessen, am Vogelsberg, gibt es einen wunderbaren Grillplatz mit Hütte, WC, Eiskasten und Zelt-Möglichkeit. Basis genug, um vier Tage durchzufeiern. Also reisten 48 Menschen mit 52 Hunden auch dieses Jahr im Juli wieder an: Aus Zürich, Bremen, Hamburg, Dresden, Tattendorf (Österreich) und gar aus Rumänien. Mit Autos, Fahrgemeinschaften, mit Flugzeug (ohne Hund). Der Mix der Menschen war ähnlich wie jener der Hunde: Bei den Hundefreunden gab es die ganze Bandbreite: Verschiedenste Berufe und auch derzeit Arbeitslose – dick, dünn – groß, klein. Bei den Hunden reichte die Palette von rumänischen und griechischen Straßenmischlingen über Bulldoggen, Weiße Schäferhunde, Terrier, Huskys, Kuvacs, Rottweiler, Irish Wolf bis zum Collie, weiters einen DSH-Blindenführhund und einen Briard-Rettungshund. Natürlich war keiner der 52 Hunde an der Leine. Alle wuselten frei herum, schliefen irgendwo im Schatten, lagen abends neben dem Lagerfeuer oder unter Tischen, bzw. nachts in oder vor den Zelten.

Das ist doch ganz normal …
Klar gab es ab und zu kleine Missverständnisse zwischen Hunden – aber es war die professionelle Unaufgeregtheit der Hundebesitzer, die Ärgeres verhinderte. Michael Schmorenz: „Wenn sich normale Menschen mit normalen Hunden, die sich alle normal verhalten, irgendwo treffen, dann passiert was ganz Normales: Nichts! Ein wenig hündisches Verständnis, ein wenig Coolness, Beobachtungsgabe, und es kann nur gelingen.”
Oder Gastgeber Maico Schulz: „Ab und zu grollte halt wer ein 'Halt's Maul, Hund!' – und gut war's!”
Dazwischen spielten Kinder mit den Hunden, und andere gaben ihren Hunden eine kurze Auszeit – z.B. mit einem kleinen Spaziergang – um ihnen Stress zu nehmen.
Aber sonst? Natürlich kann man nicht tagelang am Grillplatz sitzen, und deswegen gab es organisierte Wanderungen, die – jeder Hundeverordnung zum Trotz – natürlich meist mit unangeleinten Hunden absolviert wurden. Ein Traum, wie die Vierbeiner herumtobten, miteinander spielten – oder dann beim Badesee mit Frauchen und Herrchen gemeinsam schwimmen konnten.

Bier aus Hessen, Wein aus Niederösterreich
Die Abende (bzw. langen Nächte) verliefen mehr als harmonisch: Kinder spielten mit den Hunden, Erwachsene plauderten über das Thema Nr. 1, also Hunde, und die Vierbeiner schnarchten überall. Begeisterung gab es (bei den Menschen, natürlich) nicht nur wegen des hessischen Auerhahn-Biers, sondern auch wegen des extra eingeflogenen Rotweines von Johanneshof Reinisch aus Tattendorf: Ein österreichischer Wein, der auch Deutschen schmeckte …
Übrigens: Keiner der Hunde büxte aus – alle blieben stets beim Menschen-Rudel, obwohl der Grillplatz im Wald und neben einer weiten Wiese positioniert und nirgendwo eingezäunt war. Und dass weder am Grillplatz, am Campingplatz oder in der Umgebung ein Hundekot-Häufchen zu finden war, war auf das vorbildliche – und für alle selbstverständliche – Verhalten der Hundebesitzer zurückzuführen: Mit 200 Hundekot-Sackerln, die vom ÖKV bereitgestellt wurden, wurde stets jeder Haufen sofort entsorgt.
„Wuffstock 2004“
„Wuffstock 2004”? Ja, das wird es geben. Organisator Maico Schulz („Immer wieder!”) hat schon alles in die Wege geleitet, und die ersten Zeltplatz- und Zimmerreservierungen gibt es auch schon. Allerdings bleibt es im großen und ganzen bei der „kleinen Runde” von ca. 50 Hundlern. Bei der Zahl solch gut sozialisierter Hunde aller Rassen legt sich aber niemand so richtig fest: Da können noch mehr dazukommen …
„Wuffstock“ in Hessen: Ein praxisnaher Beweis, wie man mit Hunden zusammenleben kann. Vielleicht sollte kommendes Jahr eine Delegation jener „Rasse“-Politiker vorbeischauen, die (gerade in Deutschland) für schwachsinnigste Hundeverordnungen verantwortlich zeichnen.  

Aus WUFF-Ausgabe 2003-10