Irgendwann einmal ist irgendwie so ein kleiner Sibirischer Huskywelpe da gewesen, drängte sich in meinen ganz normalen Alltag, machte sich breit mit all seinen Wünschen und Bedürfnissen. Schön ist, daß man dabei immer Zeit hat, mitzuwachsen - mit den Aufgaben, den „Vorstellungen“ der Mitbewohner, mit denen man eben jeden Tag, jede Stunde teilt. Ehe man sich’s versieht, sind aus dem einen Husky viele Huskies geworden. Man kauft einen Wagen, Schlitten und sucht sich die wenigen Fleckchen Erde noch aus, wo man eben in diesen Breitengraden mit diesen wunderbaren Hunden fahren kann.
Sehnsucht nach Hunden
Rennen fahren - war nicht so ganz mein Abenteuer. „Verschwendet“ man doch 3 Tage, um z.B. in der 4-Hunde Klasse dann 15 bis 20 Minuten/pro Renntag am Trail sein zu dürfen. Die viel größere Sehnsucht war und ist noch immer, mit den Hunden zu sein, das Leben zu teilen, mit ihnen zu laufen - nach unserem Limit und unserer Vorstellung. Allein Strecken von 15 bis 30 km zu laufen, Spaß zu haben, Pausen machen zu können - wie das Team es verlangt und braucht. Und wenn man Lust hat, auch viel länger zu laufen. Eins wurde in den letzten 13 Jahren klar - NIE WIEDER OHNE MEINE HUNDE.
Hochzeit: Hunde dabei!
Und so kam es auch. Bernd und ich beschlossen, am 25. September 99 zu heiraten: Klar war - mit den Hunden. Die wichtigsten Momente im Leben sollte man auch mit den wichtigsten und liebsten Lebewesen, seien es Menschenfreunde oder Hundefreunde teilen. Es war ein aufregender Tag, wenngleich die Wettervorhersage nicht besonders Gutes verhieß. Trotzdem war aber klar, wir fahren mit unseren Hunden. Das anschließende Essen war daher natürlich auch im Freien geplant. Eine kleine Absicherung sollten dann doch unsere Partyzelte sein ...
Der nächste Tag war dann entgegen der Vorhersagen der Meteorologen überraschender Weise von blauem Himmel und Sonne beseelt, sodaß unserem Vorhaben nichts mehr im Wege stand. Es folgte ein Aufeinandertreffen von wunderbaren Erlebnissen. Freunde trafen ein, natürlich meist Hundefreunde, sogar aus Ferrara kamen unsere Freunde angereist - die Sonne schien, man trank Kaffee. Und - Aufregung machte sich breit: Wie werden wohl die Hunde reagieren? Sind sie’s doch nicht gewohnt, im Verkehr zu laufen, bei freilaufenden kleinen Hunden nicht anzuhalten, und, und, und ...
Im Hundewagen zum Standesamt
Tausend Gedanken, vielleicht auch Sorgen, die sich alle im Sand verlaufen haben. Tatsache ist, daß eine unserer liebsten Freundinnen, Tina Schneeweis, mit ihrem geschmückten Sacco-Wagen mit ihren 3 Hunden vorfuhr und es irgendwie einfach an der Zeit war, das Standesamt pünktlich zu erreichen. Ich weiß, daß ich bei dieser Fahrt geweint habe und ich bin sicher, daß auch Tina nicht nur die Schweißperlen im Gesicht standen ... Wir fuhren ca. 3 km mit unseren 2 Saccos und es war sicher einfach zu kurz, weil man die schönsten Momente im Leben nicht anhalten und nicht verlängern kann.
Die Hunde wurden mit Wasser versorgt, geliebt, gekrault, Dankbarkeit machte sich breit. Dankbarkeit, daß unsere Hunde uns noch nie im Stich gelassen haben, wenn’s wirklich drauf ankam.
Das Standesamt ist eine formvollendete kurze Angelegenheit und der Gedanke - wie geht’s den Hunden (sie sind in der Zwischenzeit von Freunden betreut worden), gewinnt Raum. Die Hunde standen da, topfit - irgendwie wußten sie vielleicht, daß es ein besonderer Tag war. Es schien, als wollten sie vermitteln: „Hey Freunde, gehen wir nach Hause?“
Freunde für’s Leben
Nicht zu beschreiben, wie schön es ist, nicht zu beschreiben, was man in diesen Augenblicken für solche Freunde spürt, nicht zu beschreiben, wie sehr man sich wünscht, daß solche Fahrten eine Ewigkeit dauern. Am Ende weiß man, daß die Hunde uns lehren, was ein Augenblick sein kann, was er beinhalten kann, was Liebe ist. Wir fuhren nach Hause - viel zu kurz - versorgten die Hunde, wünschten uns, daß die Welt in diesem Augenblick still gestanden wäre. Wir feierten mit unseren Freunden vorm Haus, besuchten und liebten unsere Hunde, waren froh, daß unsere Freunde ihre Samojeden und Huskies mithatten, daß man da und dort ständig streicheln konnte, und sind traurig, daß alles viel zu kurz war. Wir wissen, daß wir Freunde haben, wahre Freunde für’s Leben.