Ich bin 15 Jahre alt, komme aus Pinkafeld und bin stolze Besitzerin eines Langhaardackels. Und das kam so: Ich, „hundenärrisch" wie ich bin, führte kurz vor Weihnachten 1999 Teddy, den Mischlingshund unserer Nachbarn, spazieren. Der Rückweg führte uns an einer stark befahrenen Kreuzung vorbei. Plötzlich riß mich lautes Hupen aus meinen Gedanken. Auf der Straße sah ich einen kleinen, braunen Langhaardackel, der hilflos zwischen den rasenden Auto herumirrte. Auf der anderen Straßenseite stand ein junger Mann mit Kinderwagen und einem schwarz-weißen Havaneser an einer Flexileine. Ich nahm an, der Dackel gehöre zu ihm und unterstützte ihn in seinen Bemühungen, den kleinen Hund auf den Gehsteig zu locken. Das gelang uns schließlich auch. Jetzt erst fiel mir auf, wie mager der Hund und glanzlos sein Fell war. Als ich den Mann darauf ansprach, stellte sich heraus, daß es nicht sein Hund war - er hatte ihn ebenfalls erst bei seinem Spaziergang mit Benji entdeckt und vor den Autos retten wollen.
Herrenlos
Wir sahen uns um, konnten aber keinen Hundebesitzer sehen und auch hatten weder ich noch mein neuer Bekannter - und als fleißiger Gassigeher kennt man sich auf diesem Gebiet aus - den kleinen braunen Dackel schon mal gesehen, der zwar an unseren Hunden interessiert schien, aber stets darauf bedacht war, einen „Sicherheitsabstand" einzuhalten. Nachdem wir festgestellt hatten, daß der Rüde nicht einmal ein Halsband trug, schlug ich vor, ihn erst einmal zu mir mit zu nehmen, denn wir konnten ihn ja schließlich nicht mutterseelenallein auf der Straße stehen lassen.
Hier bleibe ich
Der Mann war sofort bereit, mich zu begleiten und schließlich konnten wir - mit Teddy und Benjis Hilfe - das ängstliche Tier bis in unseren Garten locken (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für diese Hilfe an Havaneser Benji und sein Herrl). Unsere Begleiter verabschiedeten sich, ich rannte schnell zu den Nachbarn und brachte Teddy (wohl ziemlich überstürzt) wieder zurück. Dann saß ich eine Viertelstunde neben dem kleinen Dackel, bis ich ihn davon überzeugen konnte, daß ich ihm nichts Böses wollte und ihm eine Seilschlaufe um den Hals legen durfte. So führte ich ihn dann ins Wohnzimmer, wo er sich sogleich mit einem „Hier-bin-ich-und-hier-kriegt-mich-keiner-weg-Blick" am Fußabstreifer einrollte.
Oma bitte darf ich ...?
Nachdem ich aufgeregt von meinem Findling berichtet hatte, begann das große Telefonieren. Oma rief beim Stadtamt an, bei den Tierärzten und ich weiß nicht wo überall. Nirgends wurde ein Hund vermißt. „Oma, schau, wie lieb der ist, darf ich ...? - „Abwarten, es meldet sich sicher noch jemand ..." Aber es meldete sich niemand. Ich hoffte und betete, daß es so bleiben möge. Und es blieb.
Lief durch ganz Pinkafeld
Am nächsten Tag ging ich durch ganz Pinkafeld, fragte jeden, dem ich begegnete: „Ist das Ihr Hund?" und konnte immer erleichtert aufatmen ... ich klingelte auch an den Haustüren in der Nähe der besagten Kreuzung - niemand hatte den braunen Langhaardackel, den wir mittlerweile Snoopy nannten, je gesehen. „Oma bitte ...". Am 24. Dezember 1999 bekam ich dann mein schönstes Weihnachtsgeschenk: „Snoopy darf bleiben!" (Ein ganz dickes Bussi an meine Oma, die es mir zuliebe mit einer ordentlichen Portion Dackelpersönlichkeit aufgenommen und mir Snoopy erlaubt hat!).
Happy End für Snoopy
Inzwischen hat sich einiges getan. Snoopy hat seine anfängliche Schüchternheit vergessen, ein bißchen zugenommen und ein glänzendes Fell bekommen. Er liebt unsere täglichen langen Spaziergänge (das Bürsten weniger), versteht sich mit unserem zweiten Hund, dem 7-jährigen Cesky Fousek „Fero" und kommt auch (fast) immer, wenn ich ihn rufe. Nachdem er wahrscheinlich ausgesetzt worden war, hat Snoopy nun eine neue Familie gefunden.