Treue Hundeherzen haben aufgehört zu schlagen

Novembergedanken zum Abschiednehmen

Unser Besitz ist Verlust.
Je kühner,
je reiner wir verlieren,
je mehr.
(Rainer Maria Rilke)

Es heißt Aller-Heiligen und Aller-Seelen. Dürfen wir so auch die Seelen unser tierischen Freunde beweinen? Dürfen wir ihnen Grabsteine errichten und ihre toten Körper mit andachtsvollen Worten der Erde übergeben? Dürfen wir um sie trauern wie um einen lieben Menschen oder müssen wir uns unserer Gefühle schämen? Sind Tierfriedhöfe Auswüchse einer falsch verstandenen Mensch-Tier-Beziehung oder das verständliche Bedürfnis, Danke zu sagen für Schönes, das nicht mehr ist?

Kein Tabu mehr
Tierfriedhöfen haftete lange Zeit der Beigeschmack übertriebener Tierliebe und krankhafter Vermenschlichung an. Unweigerlich drängte sich die Vorstellung besorgter Hundemuttis und übergewichtiger Dackelhunde auf. Wem dieses Klischee nicht behagte, der verschwieg es lieber, den Tierfriedhof der Kadaververwertung vorzuziehen. Heute ist das Thema „Tierbestattung“ längst kein Tabu mehr. Wer seinen treuen Gefährten nicht zu Seife recyclen will, läuft nicht Gefahr, mitleidvoll belächelt zu werden und sogar streng gläubige Mitmenschen sehen in Tierfriedhöfen längst nicht mehr blasphemische Konkurrenz zum menschlichen Seelenheil.

Wandlung im Denken
Diese Entwicklung zeigt, daß sich das Bild des Hundes oder Haustieres allgemein in unserer Gesellschaft sehr gewandelt hat. Tiere werden nicht mehr ausschließlich nach ihrem Nutzen beurteilt, sondern als fühlende beseelte Mitgeschöpfe akzeptiert. Auffallend ist dabei das Gefälle zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Im urbanen Bereich und ganz besonders in den Großstädten erfüllen Tiere fast ausschließlich seelische Bedürfnisse und dienen weit weniger wirtschaftlichen Interessen. Es ist deshalb nicht weiters verwunderlich, daß die meisten Gräber auf Tierfriedhöfen von Städtern gepflegt werden.

Meist Hunde und Katzen
Überwiegend sind es Hunde und Katzen, die dort ihre letzte Ruhestatt finden. Doch auch Exoten, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse und Sittiche liegen in den kleinen Gräbern. Ihren menschlichen Besitzern waren sie viel wert, was tierbeziehungslose Kritiker dazu verleiten mag, das Mißverhältnis zwischen realem Wert des Tieres und der Bestattung zu bespötteln. Immerhin kostet so ein Tierbegräbnis mit allem Drum und Dran zwischen 8.000 und 30.000 Schilling, je nach Größe und Grabstein. Und doch sind jene, denen kein Stein zu teuer, kein Aufwand zu viel ist, überwiegend Menschen aus mittleren und unteren Einkommensverhältnissen.

Abschiednehmen
Wer einem solchen Begräbnis beiwohnt, versteht warum. Die Zeremonie des Abschiednehmens erleichtert die Herzen, denn an diesem Ort herrscht Verständnis für Tränen und Schmerz. Schmerz, den sich Menschen anderswo zu zeigen schämen. Es ist ein Fest der Trauer, ein letztes Dankeschön an einen Gefährten, den mit Worten man nicht begreifen kann und dessen Fortgang deshalb ein umso größeres Loch in unser Leben gerissen hat.
Menschen, die Hunden oder Tieren generell beziehungs- und verständnislos gegenüberstehen, mögen darin eine Überbewertung der tierischen Gesellschaft sehen. Sie verstehen nicht, daß sich deren Gesellschaft prinzipiell von der menschlichen unterscheidet und gerade daraus ihren Reiz und Wert schöpft. Sie ist deshalb anders, weil sie die Einsamkeit des Menschen zu durchdringen mag, wie der Philosoph und Schriftsteller John Berger in seinem Essay „Warum sehen wir Tiere an?“ so treffend beschreibt. Denn: Er (der Tierbesitzer) kann für sein Tier jemand sein, der er für niemanden und nichts sonst ist. Ein schöner, ein wahrer Gedanke, der viel von dem beinhaltet, was die Beziehung zwischen Mensch und Tier auszeichnet.

Sprachlose Harmonie
Eben für diese nicht-menschliche Gesellschaft, die sprachlose Harmonie, gilt es Dank zu sagen. Wenn auch nur durch einen toten Grabstein mit der Aufschrift: Treue
Hundeherzen haben aufgehört zu schlagen. Wir werden Euch nie vergessen.







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Abschied nehmen

Menschen ohne Tierbeziehung mögen es nicht verstehen, aber es ist Tatsache, daß gewisse Riten dem Menschen beim Verlust seines Hundes die Trauerarbeit erleichtern und zur psychischen Entlastung des Trauerschmerzes beitragen. Aus diesem Grund hat WUFF allen Hundebesitzern kostenlos die Möglichkeit geschaffen, im Internet auf einem „virtuellen Hundefriedhof“ mit einem Foto des verstorbenen Hundes und ein paar Zeilen Text Abschied zu nehmen und zugleich seinem Vierbeiner ein kleines Denkmal zu setzen.

- Was müssen Sie tun? Entweder schicken Sie Foto und Text an WUFF Hundehimmel, A-3034 Maria Anzbach (und wir erledigen gratis alles für Sie) oder noch besser per E-mail Text und eingescanntes Foto an poetz@wuff.at

- Besuchen können Sie den virtuellen WUFF Hundefriedhof auf der WUFF-Homepage unter www.wuff.at (auf button „WUFF-Hundehimmel“ klicken).

Aus WUFF-Ausgabe 2000-11