Und trotzdem hab’ ich Lust zu leben!

Es ist nun schon mehr als 11 Jahre her, dass ich von einem salzburgischen Bauernhof eine damals 12 Wochen alte Mischlingshündin zu mir nach Wien mitnahm. Ein Schäfermischling der Vaterrüde, ein Colliemischling die Mutterhündin. Der kleine Welpe liebte es über alles, in Wasser zu plantschen, und so gab ich ihr den Namen Bufo – vom lateinischen Wort für Kröte. Bufo war sehr lebhaft und bewegungsfreudig, liebte daher ausgedehnte Spaziergänge und Radtouren im Wald, Agility in der Hundeschule und Bergtouren. Der Wienerwald und die Hundeschule boten Bufo täglich Gelegenheit, mit Hundefreunden umherzutollen.
Im Sommer 2000 – Bufo war 8 Jahre alt – stutzte ich erstmals, als die Hündin auf einem ebenen, trockenen Asphaltweg in einer Linkskurve ohne ersichtlichen Grund ausrutschte und hinfiel. Einige Wochen später fiel mir auf, dass die Krallen der linken Hinterpfote stärker abgeschliffen waren. Und wenn Bufo, vor allem bei kaltem Wetter, zu wild mit ihren Freunden spielte, hatte sie danach Probleme aufzustehen oder ins Auto zu springen. Ich wertete dies zunächst als erste „Alters-Wehwehchen“ – als beginnende Arthrosen (das sind degenerative, nicht akut entzündliche Gelenkserkrankungen). Diese Beschwerden sprachen sehr gut auf Akupunkturbehandlungen an, sodass es Bufo rasch wieder besser ging, – bis auf das Zehenschleifen, das mir weiterhin Sorgen bereitete.

Erschütternde Diagnose
Nach einem Jahr zeigte die nun 9-jährige Bufo eine ausgeprägte Hinterhandschwäche, jedoch ohne Anzeichen für Schmerzen. Aufgrund des chronischen Verlaufs, der Befunde der neurologischen Untersuchung und nicht zuletzt unter Berücksichtigung von Bufos Abstammung (Schäfer und Collie) wurde die Verdachtsdiagnose „Degenerative Myelopathie“ gestellt. Bei dieser Erkrankung kommt es zu degenerativen Veränderungen in der weißen Substanz des Rückenmarks, die zu Lähmungen führen. Die an der Entstehung und Entwicklung dieser Krankheit beteiligten Faktoren sind unbekannt. Am häufigsten sind Deutsche Schäferhunde ab dem 7. Lebensjahr betroffen, es können jedoch fast alle großen Hunderassen – oder wie in Bufos Fall – auch Mischlinge erkranken. Die Diagnose erschütterte mich, da bei dieser Erkrankung zwar verschiedene Therapien versucht werden, das Fortschreiten der Lähmung aber nicht aufgehalten werden kann. Und Bufos Zustand verschlimmerte sich auch weiter, bis sie im Frühjahr 2002 kaum mehr gehen konnte. Ich überlegte und diskutierte auch mit Tierarztkollegen, welche Möglichkeiten es gäbe, um Bufos Zustand zu bessern. Wie wird Bufos Erkrankung sich weiter entwickeln? Wann wird es soweit sein, dass sie nicht mehr aufstehen können wird? Ist ein solches Leben für die Hündin dann überhaupt noch lebenswert?

Gefährtin für Bufo
Bufo liebte trotz ihrer Einschränkung nach wie vor die Gesellschaft anderer Hunde über alles, konnte jedoch nicht mehr mit ihnen im Wald umhertollen wie früher. So beschloss ich, einen zweiten Hund zu uns zu nehmen, damit Bufo eine hundliche Gefährtin bekäme. Und so kam Gundi, eine Bayrische Gebirgsschweißhündin, direkt von ihrer Mutter und ihren Wurfgeschwistern in unseren Haushalt. Bei Bufo und Gundi war es Liebe auf den ersten Blick. Beide Hündinnen genossen es, eng aneinander gekuschelt zu liegen. Mental gab der Welpe Bufo starken Auftrieb, körperlich allerdings verschlechterte sich ihr Zustand weiter. Oft musste die ältere Hündin wegen ihrer Behinderung im Auto oder zu Hause warten, während Gundi mitgehen durfte. Und schon war sie wieder da, die Diskussion: Welche Lebensqualität hat Bufo noch? Wäre die Euthanasie nicht eine Erlösung für sie? Dennoch, obwohl Bufo alleine nicht mehr gehen konnte, war sie nach wie vor lustig und verspielt. Wenn ich ihr Hinterteil mit einem Bauchgurt zur Unterstützung hochhielt, versuchte sie, hinter der jungen Gundi nachzujagen und mit ihr zu balgen … Wäre die Euthanasie also eigentlich keine Erlösung für den Hund, sondern vielmehr eine für den Besitzer?

Bufo – wieder mobil!
Nachdem mir eine Freundin von einem deutschen Fernsehbericht über eine gelähmte Schäferhündin mit Rollwagen berichtete, kam ich schließlich über Umwege auf die Homepage der amerikanischen Firma „Doggon Wheels“ (www.doggon.com). Da war sie, die Lösung! Per Internet gab ich eine Bestellung mit Bufos Maßen auf – und 14 Tage später war Bufo wieder mobil! Nun konnte sie im Wald wieder hinter Gundi und ihren alten Freunden herlaufen und genoss die Bewunderung der anderen Hundebesitzer. Nur wenn jemand jammernd meinte, „was für ein armer Hund!“, sackte sie richtiggehend in sich zusammen. Offensichtlich wurde sie durch kundgetanes Mitleid völlig demotiviert.

Mit Rollwagen über Stock und Stein
Die Konstruktion dieses Rollwagens für Hunde ist wirklich gut durchdacht: Nicht nur, dass er geländegängig ist und der Hund damit über Stock und Stein laufen kann, auch Harn- und Kotabsatz sind problemlos möglich. Möchte sich der Hund ausruhen und hinlegen, muss man ihn jedoch aus dem Wagen herausnehmen. Bufo hat in ihrem Übermut die Geländegängigkeit des Rollwagens etwas überstrapaziert, und so sind – vor allem im Winter bei sehr tiefen Temperaturen – die aus Aluminium bestehenden Seitenarme immer wieder gebrochen. Zum Glück aber haben wir in der Nähe einen sehr geschickten Hundefreund, der die große Bedeutung einer sofortigen Reparatur des Rollwagens für Bufo erkannte und die gebrochenen Stangen innerhalb eines Tages austauschte. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Thomas!
Leider schreitet aber Bufos Lähmung weiter fort, d.h. nun werden auch die Vordergliedmaßen zunehmend schwächer. Nach wie vor ist die Hündin aber stets gut gelaunt.
Dennoch stelle ich mir immer öfter die Frage, wie sich ihre Lähmung weiterentwickeln wird. Wie wird Bufo – und wie werden wir – damit umgehen? Wird Bufo inkontinent werden? Bis jetzt kann sie Harn- und Kotabsatz noch kontrollieren. Mit welchen Belastungen werde ich noch fertig werden können?

Wann ist Euthanasie die Erlösung?
Die Entscheidung zu treffen, wann die Euthanasie für das Tier eine Erlösung bedeutet, ist nicht leicht. Was man selbst subjektiv als nicht mehr akzeptable Verschlechterung der Lebensqualität betrachtet, muss vom Betroffenen nicht zwingend ebenso empfunden werden. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass ein so bewegungsfreudiger Hund wie Bufo die Einschränkungen durch die Lähmung augenscheinlich so problemlos hinnimmt.
Die Entscheidung für oder gegen Euthanasie völlig dem Tierarzt zu übertragen, ist meiner Meinung nach nicht sinnvoll: Denn der Tierarzt sieht seine vierbeinigen Patienten meist in einer Situation, in der sie sich gestresst fühlen. Er kann aber sehr wohl den Hundebesitzer beraten, ob der Hund Schmerzen empfindet, und wenn ja, ob und wie diese zu behandeln sind. Die Frage, ob der Hund noch Freude am Leben hat, kann der Hundebesitzer in der geborgenen Atmosphäre zu Hause allerdings besser beurteilen – und zum Teil auch selbst direkt beeinflussen!

Neue Kommunikationsformen entwickelt
Seit sie nicht mehr laufen kann, hat Bufo eine Unmenge an Brummel-, Winsel- und sonstigen Lauten in den verschiedensten Tonlagen entwickelt, um sich uns mitzuteilen: Schließlich braucht sie jetzt Hilfe, wenn sie Wasser oder Futter möchte, Gassi gehen muss, in ihr Körbchen oder zu mir will usw.. Hin und wieder höre ich sie in der Nacht herum rumoren, weil sie sich nicht alleine umdrehen kann. Dann stehe ich auf und helfe ihr, sich auf die andere Seite zu legen.
So bedeutet Bufos Behinderung natürlich auch für mich eine Belastung und Einschränkung: Es gibt keine Rad- oder Bergtouren mehr, und wenn ich abends müde ins Sofa falle und Bufo mir zeigt, dass sie durstig ist, dann habe ich die Wahl, entweder den Hund zur Wasserschüssel oder die Wasserschüssel zum Hund zu bringen. Andererseits aber macht es mich glücklich zu beobachten, wie Bufo und Gundi miteinander schmusen, oder wie Bufo es genießt, einfach nur in meiner Nähe zu liegen und zu schlafen. Manchmal, wenn mich Bufo auf Trab hält, ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass die Euthanasie für mich eine Erlösung wäre – aber schließlich habe ich mit dem Hund auch Verantwortung übernommen. Und nicht nur das: Ich hatte mit Bufo eine sehr schöne Zeit, und sie hat mein Leben ungemein bereichert (und tut dies noch immer). So habe ich jetzt die Chance, etwas davon zurückzugeben. Ich vertraue darauf, dass mir meine Hündin sicherlich zeigen wird, wann sie erlöst werden will.



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Bewegungsstörungen des Hundes: Was kann der Hundebesitzer tun?

- Den Hund beobachten
Beachten Sie – auch kleine – Änderungen im Bewegungsmuster Ihres Tieres! Z.B. springt der Hund nicht mehr ins Auto, sondern zögert oder „klettert“ hinein, oder er „stolpert“ öfters, oder hüpft hin und wieder auf drei Beinen, usw..

- Sie und Ihr Tierarzt
Teilen Sie diese Beobachtungen Ihrem Tierarzt mit. Die Ursachen für Bewegungsstörungen sollten auf jeden Fall abgeklärt werden: Klinische, orthopädische, neurologische Untersuchungen, Röntgen, eventuell Computertomografie oder Magnetresonanzuntersuchungen helfen eine Diagnose zu finden.

- Therapiemöglichkeiten
Anhand der Diagnose kann Sie der Tierarzt beraten, welche Therapie sinnvoll ist, ob die Erkrankung mit Schmerzen verbunden ist, ob und wie sie sich weiterentwickeln wird, usw.




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Hunde auf Rädern …
von Dr. Hans Mosser

Schäferhündin Ella wäre heute schon tot, wenn sich Frauchen Ursa Reinhardt aus Lübeck an Ratschläge gehalten hätte, die sie von allen Seiten bekam. Ella hatte zunehmend an ihren Hinterbeinen gelahmt, bis schließlich nichts mehr „ging“. Gassigehen konnte Ella nur mehr mit einer von Frauchen getragenen Schlaufe um die Hüften, während die Hündin mit den Vorderbeinen lief. Nun, Ella lebt noch und dies mit großer Lust und Freude, weil Frauchen sich nicht an die gut gemeinten Ratschläge gehalten hat. Bei ihrer Recherche im Internet stieß die Lübeckerin, so wie Dr. Ulrike Pohl aus Wien, auf die Seite einer amerikanischen Firma, die sich auf die Entwicklung und Herstellung von Rollhilfen für Hunde mit Bewegungsstörungen spezialisiert hat.

Doggon wheels
Das Leitbild dieser amerikanischen Spezialfirma „Doggon Wheels“ ist es, praktische Lösungen für vierbeinige Familiengefährten mit Handicaps anzubieten. Dabei geht es in erster Linie um Rollwagen für Hunde, die nicht mehr alleine laufen können. Vorwiegend sind es Hunde mit Lähmungen der Hinterbeine, Amputationen, Hüftbeschwerden, neurologischen Erkrankungen usw. – also immer dann, wenn die Hinterbeine nicht mehr benutzt werden können. Wichtig ist, dass die Vorderbeine benutzbar sind, denn mit diesen zieht sich der Hund quasi selbst im Rollwagen und kann damit wieder selbständig spazieren gehen, laufen, Bällen nachjagen, fast wie ein normaler Hund leben. Auch wenn es ungewohnt aussieht, die meisten Hunde gewöhnen sich sehr gut an diese Rollhilfe und genießen ihr – wieder mobiles – Leben in vollen Zügen.
Ausführliche Informationen über die Rollhilfen finden Sie auf der Website der Firma (s.u.). Der Rollwagen wird nach den von Ihnen angegebenen Maßen für Ihren Hund angefertigt und in ca. 2 Wochen aus den USA geliefert. Bevor Sie sich aber für eine solche Maßnahme entscheiden, ist eine genaue tierärztliche Untersuchung wichtig, damit nicht eine vielleicht mögliche Therapie bzw. Operation verzögert oder verhindert wird!
- www.doggon.com
(in deutscher Sprache: www.dogon-de.com)




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Die Autorin

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, steht Frau Dr. Ulrike Pohl WUFF-Lesern gerne mit ihren persönlichen Erfahrungen sowie Rat und Tat zur Seite.
Dr. Ulrike Pohl ist Tierärztin (Tierärztliche Ordination VET23) in Wien.

- A-1230 Wien, Taglieberstraße 12/30/R1
(Eingang: Stenografengasse)
- Telefon: +43 (0)1 887 15 36
- E-Mail: vet23@aon.at
- Ordination Mo-Fr 17-19 Uhr, und nach telef. Vereinbarung
- www.vet23.at

Aus WUFF-Ausgabe 2004-02