Die WUFF-Leute Gerald Pötz und Hans Mosser sitzen in der kleinen, aber feinen Wiener Wohnung von Peter Steinbach. Das Gespräch bezieht sich natürlich sofort auf Boris, den Bullterrier, der freundlich und überschwänglich, wie Bullys eben sind, die interessierten Gäste begrüßt. Interessiert sind die Gäste auch an dem, was Peter zu erzählen und - mit eindrucksvollen Fotos - zu dokumentieren hat. Boris ist Peters zweiter Bully, nach Schäferhund Zar, den er in seiner aktiven Zeit als Polizeidiensthund geführt hat, Pointermischling Ratanplan und Bullterrier Jessy. Vor allem von Jessy soll hier die Rede sein, aber nicht nur ... Peter meint, dass "kaum eine Rasse so anhänglich den Menschen sucht, wie ein Bully. Die Größe und das Fell machen ihn ja auch zu einem idealen, pflegeleichten Stadthund. Aber durch seine Sturheit, kombiniert mit Scharfsinnigkeit, ist er wahrscheinlich nicht der ideale Ersthund für Einsteiger."
Immer mit Hunden
Nun, es soll hier nicht um Hunderassen gehen, wenngleich offensichtlich Peter durch Jessy von einem Bully-Virus befallen scheint. Und Jessy dürfte dieses Virus kräftig verbreitet haben, wie im Folgenden beispielsweise an Mick Taylor, Samantha Fox, den Yardbirds oder dem Ostbahnkurti zu merken sein wird. Peters Wohnung ist voll von Bildern mit Promis und – genau – mit Hunden. Hunde, die sind sein Leben, seit er mit 3 Jahren vom Großvater den „Polarhund" Murli bekommen hat. Und so kam es wie es kommen musste. Die spätere Berufswahl musste etwas mit Hunden zu tun haben. Peter Steinbach wurde Polizeidiensthundeführer. Sein erster Diensthund war Zar vom Knabenhaus, ein Deutscher Schäferhund.
Polizeihund Zar
Aus der elfjährigen "dienstlichen" und privaten Lebensgemeinschaft mit Zar ergaben sich unendlich viele aufregende Erlebnisse und Einsätze. Sei es sein erster Einsatz 1975 beim OPEC-Überfall an der Wiener Ringstraße, oder als Bodyguard für Led Zeppelin. Sei es als Sicherheitsmann für Jimmy Carter anlässlich dessen Besuches in Wien, oder seien es spannende Einsätze am Wiener Südbahnhof. (Eine ausführliche Reportage dieses Lebens im Polizeidienst wird exklusiv für WUFF in einer der nächsten Ausgaben erscheinen.) Zar war jedenfalls ein ganz besonderer Hund, und Peter meint dazu: "Einen Hund wie Zar werde ich nie mehr besitzen. Aber das ist gut so, denn dies bewahrt ihn mir unvergesslich in meinem Herzen." Interessant, wenn man im Verlauf der Gespräche genau diesen Satz über jeden von Peters Hunden hört. Zeigt es doch auf, dass Hunde ihre Individualität haben, und auch, wenn unser Vierbeiner gestorben ist, mit dem Erwerb des nächsten Hundes der alte nicht ersetzbar ist. Aber wohl nur, wer Hunde kennt, kann das verstehen: Die Hundepersönlichkeit, die soziale Interaktions- und Bindungsfähigkeit des Hundes mit seinem Menschen. Zar starb nach einem erfüllten Leben an Nierenversagen. Ohne Zar verlor Herrchen das Interesse an der Hundeführerei und setzte seine frei werdenden Kapazitäten in den Betrieb eines Musikmanagements.
Ratanplan
Die schwarze Pointerhündin kaufte Peter Steinbach von einem Bauern frei, wo sie unter fürchterlichen Bedingungen vegetieren musste. Die damals einjährige Hündin war völlig abgemagert, die Ohren voller Milben. Knapp 8 Jahre lang war Rantanplan Peters Schatten. Die Hündin fürchtete sich buchstäblich vor sich selbst, vermutlich aus Folge der Bedingungen auf dem Bauernhof. Rantanplan begleitete Herrchen entweder auf seinen Pferderitten oder auf der Harley Davidson. Bald war das ungewöhnliche Duo bei allen Harley-Brüdern anerkannt und beliebt. Unvergessen auch ein Auftritt bei der Vorstellung einer neuen CD der österreichischen Musikgruppe EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung). Nach 8 gemeinsamen glücklichen Jahren mit Peter wurde Rantanplan während eines Drei-Tage-Festivals in Gmünd vermutlich gestohlen. Ein schrecklicher Verlust. Danach kam Jessy.
Bully: Von Tag zu Tag schöner
"Jessy steht wohl herausragend als unvergängliches Denkmal in meinem Leben", sagt Peter heute. Aber wie eingangs erwähnt, Ähnliches meint er von jedem seiner Hunde. Erst im Alter von 6 Jahren erwählte Jessy sein Herrchen. Vorher lebte er bei einer Frau, die als Kellnerin arbeitete, und er hatte ein gutes Leben bei ihr. Nur drei Stunden, nachdem Peter die Dame und ihren Hund kennen lernte, wich Jessy nicht mehr von seiner Seite. Ganz ohne Locken, ohne Leckerlis, ohne Schmeicheleien. Jessy erwählte einfach Peter zu seinem Herrchen. Und so kam dieser zu einem Bullterrier, der ihm anfangs nur einfach unglaublich sympathisch war, während er sein Aussehen eher hässlich fand. Aber sehr rasch geschah es, dass ihm der Hund von Tag zu Tag schöner vorkam. Heute ist Peter so sehr auf den Bully gekommen, "dass ich mir einen anderen Hund an meiner Seite gar nicht mehr vorstellen kann".
A depressed bullterrier?
Die Übersiedlung in Peters Wohnung ging problemlos vonstatten, wenngleich dann Jessy doch für kurze Zeit etwas deprimiert wirkte. Alvin Lee, Gitarrist der Ten Years After und Woodstock-Legende, konnte dazu ein Lachen nicht unterdrücken: "It´s unbelievable, a depressed bullterrier." Alvin Lee begann mit Jessy zu spielen – und weg war die Depression. Bei allen Unternehmungen im Musikgeschäft nahm Peter seinen Jessy mit: "Als Gentlemanganove teilte er ungefragt mein Leben und meine Künstler." Bald begann sich der Musikmanager zu fragen, ob ihn die Leute nur wegen seines Hundes mochten, oder doch vielleicht auch ein kleines bisschen wegen seiner Person ...
Mick Taylor liebte Jessy
So kam Jessy mit vielen internationalen Musikgrössen zusammen – oder diese mit ihm. Und alle fraßen sie – wie man so schön sagt – an dem Bully einen Narren: Sei es Mick Taylor, der ehemalige Gitarrist der Rolling Stones, oder die Yardbirds, die Stars wie Eric Clapton, Jimmy Page (Led Zeppelin) und Jeff Beck hervorbrachten. Überhaupt war besonders Mick Taylor von Jessy angetan. Er zog sich zum Proben mit Jessy allein ins Zimmer zurück. Nur der Hund durfte anwesend sein, wenn er auf seiner Gitarre übte. Angeblich korrigierte Jessy gelegentlich Micks Gitarrenspiel durch den einen oder anderen Beller an der richtigen Stelle. Peter Steinbach: "Offensichtlich verbandelten sich die beiden zu echten ´Hawara´, und man war chancenlos, dagegen anzukommen. Mick Taylor bestand auf Fotos, die ich ihm nach England nachschicken musste, und ich sollte ihn auch auf dem Laufenden halten – nämlich nicht über mich, sondern über meinen Bully."
Bodyguard bei Samantha Fox
Auch Samantha Fox liebte Jessy, sie nannte ihn ihren Bodyguard. Und so durfte Jessy mit Samantha auch im Jessacher Hof in St. Jakob im Defereggental (Osttirol) residieren, obwohl in diesem Nobelhotel striktes Hundeverbot herrschte. Schließlich eroberte aber Jessy auch das Herz des Hotelbesitzers Jessacher und war gerne gesehener Gast. Jessy wurde aber auch immer gerne auf die Bühne geholt. Als einmal Waterloo in einem Kaufhaus in Wien einen Auftritt hatte und Jessy sah, meinte er: "Der Hund is leiwand, der muaß mit mir auf die Bühne!". Sprach´s, und der Bully war auch schon oben. Mit seinem clownesken Verhalten machte er den Stars immer die allergrößte Konkurrenz. Vielleicht war dies der Grund, dass die Veranstalter im steirischen Spielberg Peter Steinbach ersuchten, zu verhindern, dass sich die Yardbirds Jessy auf die Bühne holten.
Natürlich musste Jessy auch im Film "Blutrausch" mit Ostbahnkurti mitwirken. Als Rockerhund. Dass daraus auch eine Sympathie zwischen Dr. Kurt Ostbahn (Willy Resetarits) und Jessy entstand, ließ sich auf einem Foto dokumentieren. Auch Bonnie Tyler machte in der Wiener Stadthalle Bekanntschaft mit dem Bully, was dieser bei einer Fernsehaufnahme für die ORF Promi-Serie "Seitenblicke" durch kräftiges Bellen im Hintergrund dokumentierte.
Der Vorhang fällt
Jessy gewann, wo immer er auch war, sofort die Herzen der Menschen. Im August 2000 fand dieses Hundeleben dann leider ein unerwartetes Ende. Peter Steinbach: "Drei Stunden vor seinem Tod lag er auf meinem Bett und wedelte noch mit seinem Schwanz. Gestorben ist er dann auf seinem Lieblingsplatz, auf seiner geliebten Decke, neben meinem Bett. Niemand rechnete damit. In der Früh waren wir beim Tierarzt wegen einer Magenverstimmung, es schien nichts Ernstes. In der dann folgenden Nacht ist er daheim, bei seinem Herrchen, "ohne Vorwarnung" gestorben. Sein Tod war schlimm für mich. Aber der Kerl hat mir offenbar das Leid einer langen Krankheitsphase ersparen wollen ...". Das war die Geschichte von Jessy, dem unvergleichlichen Bullterrier.
Ein Lausbub aus dem Tierheim
Nachdem Jessy gestorben war, hielt Peter Steinbach es nicht länger ohne Bully aus. "Für mich war es keine Frage, dass es ein Hund aus dem Tierschutzhaus sein musste, denn die Antihundekampagne eines bestimmten österreichischen Wochenmagazins füllte die Tierschutzhäuser mit solchen Hunderassen schlagartig an. So habe ich zu Boris gefunden, einem Lausbub und überaus anhänglichem Kerl, der seither unwiderruflich mein Schatten ist." Und natürlich musste Mick Taylor sofort Boris kennen lernen. Und wenn man sich das Foto betrachtet, dann war es offensichtlich Liebe auf den ersten Blick. Im Herbst dieses Jahres kommen die Yardbirds, die schon auf den "Neuen" gespannt sind, und auch Samantha Fox hat sich wieder angesagt. Peter: "Ich bin sicher, sie werden Boris genauso lieben. Gott sei Dank lässt er sich mit Jessy nicht vergleichen und ist – bis auf den Umstand derselben Rasse – ein ganz anderer eigener Hundecharakter. Aber jedenfalls ein waschechter Bully ..."
>>> VORSICHT BULLY-VIRUS
Bank-Kraxi
Gerhard, genannt Bank-Kraxi, ist einer der besten Freunde von Peter Steinbach und ebenfalls vom Bully-Virus erfasst. Seine Elektra ist Jessy nicht unähnlich. Natürlich hat auch sie diesen umwerfenden Bully-Charme, und als ehemalige Freundin von Jessy besteht sie natürlich darauf, in einem Artikel über Jessy erwähnt zu werden. Peter Steinbach: "Nun gut, meine Liebe, ich hoffe, Deinem Wunsch gerecht geworden zu sein ..."
>>> DIE SCHLARAFFEN
Hundebesessen
Auch bei den "Schlaraffen”, einem elitären, fast 150 Jahre alten Männerbund, der sich Kunst, Humor und Freundschaft widmet, ist die Liebe Peter Steinbachs zu Hunden bekannt. So lautet Peters Name dort "Ritter Rock´n Roll, der hundebesessene Frauennarr”.