Vom verwöhnten Stadthund zum Hofhund

Elliot, der Aussteiger

Für mich ist das Leben mit meinen vielen Tieren wunderbar, und jeder Tag ist ein Abenteuer und voller Überraschungen“, sagte mir Claudia Schnöll. Ihre Tiere, damit meinte sie Esel, Hängebauchschweine, Katzen, Hasen, Meerschweinchen – und natürlich ihren Elliot, einen Schäfer-Collie-Mischling. Der aber musste sich an das wunderbare Leben auf dem Land erst gewöhnen, war er doch Claudias „Ein und Alles“, jedenfalls solange, bis Claudia von der Stadt aufs Land zog. Aus einer 2-Zimmer-Wohnung in der Großstadt Wien auf einen Bauernhof im niederösterreichischen Weinviertel. „Alles“ blieb Elliot für Claudia weiterhin, doch mit dem „Ein“ war´s aus, denn auch Esel, Schweine & Co. nahmen Claudias Zeit und Arbeit in Anspruch. Eine nicht unbeträchtliche Umstellung für Elliot, der er sich aber, wie Claudia sagte, „voll gewachsen zeigte“. Schwierig für den Hund war es nur zu akzeptieren, dass er Claudia, die er über 1 1/2 Jahre allein für sich hatte, mit so vielen anderen teilen musste. Wie verlief sie eigentlich, diese Umstellung von der Stadt auf das Land? Wie waren die ersten Begegnungen Elliots mit den anderen Tieren?

Eifersüchteleien
Sophie war Claudias erste Katze, mit der Elliot sich arrangieren musste. Da war viel Eifersucht zwischen den beiden. Claudia: „Sophie würde Elliot den Rang als Nummer 1 gerne streitig machen. Die beiden verband von Anfang an eine eigenartige Hassliebe. Nach 8 Monaten jedoch haben sie sich miteinander arrangiert“. Sorgsam achtete Claudia darauf, dass Elliot weiterhin genug Aufmerksamkeit von ihr erhielt: „Elliot darf mit mir im Auto wegfahren, ich gehe mit ihm mindestens zweimal täglich spazieren, nehme mir auch viel Zeit, um mit ihm Ball o.ä. zu spielen – dafür darf Sophie auf meinen Schoß, darf auf dem Sofa oder im Bett schlafen. Aber ich zeige Elliot immer wieder, dass er nach mir, der Rudelchefin, der Ranghöchste ist.“
Das Bett brauchte ihm die Katze allerdings nicht streitig zu machen, denn Elliot wollte schon bald nur mehr im Freien sein. Den ganzen Tag verbrachte er lieber draußen und bewachte den Hof. Diese Aufgabe übernahm er mit großem Engagement, war doch das Bellen in der Stadt eher verpönt gewesen. Und so wurde auch jeder „Eindringling“ stets lautstark angekündigt.

Kätzchen trösten Hund …
Plötzlich gab es Katzennachwuchs auf dem Hof. Im Gegensatz zu seinem Verhalten Sophie gegenüber, war Elliot zu den Katzenbabys Rudi, Leni und Kati von Anfang an stets sanft, sogar väterlich. Die Kleinen liebten auch den Hund sehr und schliefen gerne eng gekuschelt bei ihm. Ungeniert stahlen sie ihm aber auch sein Futter, so wie er das ihre gerne fraß – wenn Claudia nicht aufpasste. Und so musste sie auch bald die Katzen von der gewässerten Milch entwöhnen, weil Elliot davon immer Durchfall bekam …
Wie innig Elliots Beziehung zu den jungen Katzen war, zeigte sich, als Claudia Elliot im April 2003 kastrieren ließ, weil es im Dorf viele Hündinnen gab. Claudia: „Nach der Operation wieder zuhause, legte ich den noch halb betäubten Hund auf mein Bett, und – ohne zu zögern – legten sich die kleinen Katzen zu ihm. Es wirkte so, als ob sie ihn trösten oder ihm neue Kraft geben wollten“.

Provoziert wehrhaften Eber
Verstehen Hunde oder Katzen eigentlich, mit wem gerade gesprochen (geschimpft oder gelobt) wird? Claudia: „Am Anfang nicht. Elliot konnte lange nicht unterscheiden, ob ich nun mit ihm oder den Katzen schimpfte, bzw. diese zu erziehen versuchte. So bezog er jedes ´Aus´ und ´Nein´ auf sich und war immer sehr verwirrt. Mittlerweile aber weiß er, was ihm gilt und was nicht.“
Wie verhielt sich Elliot zu den anderen Tieren, die ja teilweise größer waren als er? Claudia: „Die kleinen Hasen und Meerschweinchen waren für ihn kein Problem. Solche Tiere kannte er schon aus der Zeit seiner Therapiehundeausbildung. Im Garten leckt er diese Tiere ab oder stupst sie mit der Schnauze sanft an. Sie haben auch keine Angst vor ihm. Anders bei den Hängebauchschweinen: Während er Annabell, das Weibchen, mag und sie ihn, gibt es zwischen dem Eber Isidor und Elliot eine große Rivalität. Isidor wacht stets eifersüchtig darauf, dass Elliot seinem Weibchen nicht zu nahe kommt. Außerdem fürchtet sich der Eber etwas vor Elliot“. Daher konnte man Isidor und Elliot auch nicht zusammen alleine lassen, vor allem auch, weil Isidor schwerer war als der Hund und auch sehr wehrhaft: „Wenn ich also die Schweine auf die Wiese lasse, muss ich Elliot wegsperren, weil er den Eber ständig provoziert.“

Keine Angst vor Huftritten
Claudia weiter über das tierische Zusammenleben in ihrem „Hofstaat“: „Bei den Eseln ist es ähnlich wie bei den Schweinen. Mit der Stute Sheila kommt Elliot gut aus, sie weist ihn mit angelegten Ohren und angedeuteten Huftritten immer rechtzeitig in die Schranken. Aber Francesco, der weiße Wallach, und Elliot konnten sich von Anfang an nicht leiden. Der Wallach ist sehr dominant und störrisch, und – er ist ja recht jung – noch sehr verspielt. Am Anfang hoffte ich, er und Elliot würden miteinander spielen und Francesco würde ihm die Huftritte auch nur so andeuten, wie es Sheila tut, doch da habe ich mich leider geirrt. Francesco tritt gezielt nach Elliot, wenn dieser ihm zu nahe kommt. Einmal hat er sogar schon seinen Kopf gestreift, doch Elliot will nichts daraus lernen. Er fährt Francesco bellend an die Hinterbeine, wann immer es ihm einfällt. Aber – anders als der Eber Isidor – hat der Esel keine Angst vor dem Hund und wird auch nicht nervös. Daher lasse ich Elliot und die Esel weiterhin zusammen, wahrscheinlich gewöhnen sie sich ja doch einmal aneinander, werden vielleicht sogar Freunde. Mit den Schweinen verträgt sich der Esel ja auch“.

Verteidigt seine Tiere
„Wenn ich im Stall ausmiste oder die Esel oder Schweine füttere und putze, ist Elliot immer eifersüchtig und schleppt dann alle seine Spielsachen an, bellt und winselt, damit ich mit ihm spiele. Ganz schlimm ist es, wenn ich das Tor zwischen Weide und Garten schließe und er nicht zu mir kann“. Andererseits aber verteidigt Elliot „seine“ Schweine und Esel auch gegen vermeintliche Feinde von außen. Als einmal die Tierärztin gekommen war, um sie zu untersuchen und zu impfen, musste Claudia ihren Hund ins Haus bringen und wegsperren, weil er sich völlig wild gebärdete und die Veterinärin nicht zu den Tieren lassen wollte. Er versuchte dann sogar durch das Katzentürchen auszubrechen, wobei er dieses völlig zerstörte.

Kein Leben ohne Elliot
Das Leben auf ihrem Hof auf dem Land mit Elliot und den anderen Tieren hatte für Claudia tatsächlich jeden Tag aufs Neue den Charakter eines Abenteuers, eines Traumes, den sie sich selber wahr gemacht hatte, den sie ganz real lebte, und in dem sie ihre Begeisterung für Tiere anderen weitergeben wollte. Und sie war sich sicher, dass ihr vierbeiniger Gefährte ihrer Meinung war, als sie sagte „Ich bin überzeugt davon, dass auch Elliot, könnte er sich selbst entscheiden, dieses neue Leben unserem alten vorziehen würde.“ Am Ende ihres Artikels über Elliot schrieb Claudia Schnöll seinerzeit (in WUFF 5/2002): „Ich könnte mir ein Leben ohne Elliot nicht mehr vorstellen …“. Und so schrecklich der plötzliche Tod Claudias für ihre Familie und Freunde auch ist, ein ganz, ganz kleiner Trost mag sein, dass sie nun auch dort drüben nicht ohne Elliot ist …

Aus WUFF-Ausgabe 2003-10